0 Autor: Carsten Schuhmacher

Kings Of Leon - Only By The Night

Only By The Night
  • VÖ: 19.09.2008
  • Label: RCA/Sony BMG
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 187 - Schönheit der Ausgabe

Es klingt schon wieder so geil biblisch: Zwei Brüder schlagen einander, so dass der eine an der Schulter verletzt wird. Dann spricht Gott zu ihm und das Album ist so gut wie fertig.

Gut, gut, der letzte Teil war eher poetische Freiheit. Prosaisch war's so, dass der verletzte Bruder mit einer Schmerzmittel/Alkohol-Kombi experimentiert hat und am Ende ohne Gedächtnis neben einem vollen Textbuch aufwachte. Realistisch betrachtet werden die drei Brüder und der Cousin jedoch nie von der Religionsnummer runter kommen. Nicht, wenn sie sich weiter von Leuten wie Bono, Bob Dylan und Eddie Vedder den Hof machen lassen, die ja jeder für sich so ihren eigenen Jesus-Komplex mit sich herumschleppen. Oder von Radiohead, die ja wiederum ihrerseits gottgleich verehrt werden. Es ist einfach eine verflixte Situation für einen King Of Leon, bei all diesen Legenden als Groupies noch ein ganz normaler Rockstar zu bleiben, da wird es auch nicht helfen, dass man mit die straighteste Nummer als Single auswählt und ihr auch noch den Titel "Sex On Fire" gibt. Erleuchtete, wir haben euch durchschaut! Doch zurück zum Anfang. "Only By The Night" ist von seinen Voraussetzungen grundsolide. Band-Mentor Angelo Petraglia hat wie immer (mit)produziert. Der Albumtitel besteht wie immer aus fünf Silben. Und aufgenommen wurde erneut in Nashvilles Blackbird Studios, denen ja auch die White Stripes oder Sheryl Crow ihr Vertrauen schenken. Und doch ist etwas anders, wenn man die Platte auflegt. Nicht nur, dass der erste Song, "Closer", mit einem Synth beginnt und in der Folge wie ein verlangsamter Gnarls-Barkley-Track wirkt. Nein, es ist Caleb, der anders klingt. Bruder Nathans Hiebe scheinen also nicht nur textlich zu Buche geschlagen zu haben, sie scheinen auch das Selbstbewusstsein des Bandvorderen aktiviert zu haben. War das letzte Album noch ein Lehrstück darin, wie viel Instrumentaleinsatz nötig ist, um einen guten Song zu formen, beginnt Caleb Followill nun, mit seiner Stimme auf dieser Bühne zu tanzen. Das macht selbstredend keinen Südstaaten-Caruso aus ihm. Wer außerdem denkt, sein Reibeisen-Gequetsche sei weniger als das Optimum für diesen Sound, der kann sich jederzeit bei YouTube in den Duetten mit Eddie Vedder die A/B-Probe abholen. Nein, es ist hier ein Aufleuchten von Soul, da ein gut portionierter Überschwang, an anderer Stelle ein In-die-Knie-gehen bis zum Raunen. Es ist dieser Schliff, der vergessen lässt, dass das Album in der zweiten Hälfte die stärksten Songs schon verpulvert hat. Es macht einfach Spaß, dieser Band beim Wachsen zuzuhören. Beim Weiterwachsen und immer weiter wachsen.

Leserbewertung: 8.6/12

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