War ja auch dumm, damals, 1997: Nach
zwei guten, aber im Vergleich (Britpop-Boom!) wenig erfolgreichen ersten Alben schlug
"Urban Hymns" voll ein. Und doch ging dabei und danach einiges schief: All das Geld für
die Single "Bittersweet Symphony" bekam der Musikverlag der Rolling Stones, weil das
Verve-Management genau an einer Stelle nicht um Erlaubnis fragte, das Streichersample
aus "The Last Time" zu nutzen. Zudem zerstritten sich die zwei Diven Richard Ashcroft
und Nick McCabe (Gitarre) heillos. Das Thema The Verve schien durch. Zumindest so
lange, wie Ashcrofts Solokarriere funktionierte (immerhin drei Alben lang) und es
McCabe und Bassist Simon Jones genügte, sich bei zumeist fürchterlichen anderen
Projekten als psychedelische Effekthascher zu versuchen. Als Ashcroft dann bei seinen
Gigs (zumeist als Support) fast nur noch alte Verve-Songs spielte und sogar die
"Bittersweet Symphony" sang, nahm kein Buchmacher mehr eine Wette die Reunion
betreffend an. Und hier ist sie folglich nun: die Vierte von The Verve – und leider
auch die schwächste. Das Cover nimmt es ja im Grunde vorweg: The Verve im
Wolkenkuckucksheim. Nun sind die himmlischen Metaphern im Verve-Kontext nichts Neues,
aber früher war fast jeder Song eine eigene Supernova. "This Is Music", "Space And
Time", "Velvet Morning": Wie haben wir es geliebt, uns von Gitarrenfeedback, Grooves
und Ashcrofts Gesang hinaustragen zu lassen, um dort oben, wo das Video zu "Lucky Man"
spielte, als Belohnung die von der Akustikgitarre dominierten Hymnen zu genießen –
allen voran "The Drugs Don't Work", die beste Britpop-Komposition überhaupt! "Forth"
trägt einen nirgendwo hin. Sicher, manchmal fühlt man sich geborgen; zum Beispiel bei
den schönen Harmonien von "Judas", dem besten Song der Platte. Aber schon die halbgare
Hit-Simulation "Love Is Noise" und der tumbe Versuchsrocker "Numbness" führen zur
denkbar schlechtesten Reaktion: Nicht dass The Verve nerven, aber sie sind einem egal.
Und so schade es um einige Perlen am Ende des Albums ist (bei "Valium Skies" kommt dann
nämlich wenigstens die Zeit für Nostalgie, der Song klingt wie ein vergessener Teil des
Klassikers "A Northern Soul"): Wenn ein Song "Noise Epic" heißt, ganz leise beginnt und
sich dann – man höre und staune – langsam steigert, bis es am Ende auf beiden
Stereokanälen dröhnt, dann ist das genau diese Art von Plan-Psychedelic, die Abend für
Abend in schlecht belüfteten Proberäumen gespielt wird. "Hat was von The Verve", sagen
dann die von sich selbst und anderen Dingen berauschten Amateur-Gitarristen. Früher
eine pure, ärgerliche Anmaßung. Heute geht das, leider, ganz okay.