0 Autor: André Bosse

The Verve - Forth

Forth

Die durften ja nicht fehlen: Von allen Wiedervereinigungen der letzten Jahre war die Wiederkehr von The Verve die wahrscheinlichste.

War ja auch dumm, damals, 1997: Nach

zwei guten, aber im Vergleich (Britpop-Boom!) wenig erfolgreichen ersten Alben schlug

"Urban Hymns" voll ein. Und doch ging dabei und danach einiges schief: All das Geld für

die Single "Bittersweet Symphony" bekam der Musikverlag der Rolling Stones, weil das

Verve-Management genau an einer Stelle nicht um Erlaubnis fragte, das Streichersample

aus "The Last Time" zu nutzen. Zudem zerstritten sich die zwei Diven Richard Ashcroft

und Nick McCabe (Gitarre) heillos. Das Thema The Verve schien durch. Zumindest so

lange, wie Ashcrofts Solokarriere funktionierte (immerhin drei Alben lang) und es

McCabe und Bassist Simon Jones genügte, sich bei zumeist fürchterlichen anderen

Projekten als psychedelische Effekthascher zu versuchen. Als Ashcroft dann bei seinen

Gigs (zumeist als Support) fast nur noch alte Verve-Songs spielte und sogar die

"Bittersweet Symphony" sang, nahm kein Buchmacher mehr eine Wette die Reunion

betreffend an. Und hier ist sie folglich nun: die Vierte von The Verve – und leider

auch die schwächste. Das Cover nimmt es ja im Grunde vorweg: The Verve im

Wolkenkuckucksheim. Nun sind die himmlischen Metaphern im Verve-Kontext nichts Neues,

aber früher war fast jeder Song eine eigene Supernova. "This Is Music", "Space And

Time", "Velvet Morning": Wie haben wir es geliebt, uns von Gitarrenfeedback, Grooves

und Ashcrofts Gesang hinaustragen zu lassen, um dort oben, wo das Video zu "Lucky Man"

spielte, als Belohnung die von der Akustikgitarre dominierten Hymnen zu genießen –

allen voran "The Drugs Don't Work", die beste Britpop-Komposition überhaupt! "Forth"

trägt einen nirgendwo hin. Sicher, manchmal fühlt man sich geborgen; zum Beispiel bei

den schönen Harmonien von "Judas", dem besten Song der Platte. Aber schon die halbgare

Hit-Simulation "Love Is Noise" und der tumbe Versuchsrocker "Numbness" führen zur

denkbar schlechtesten Reaktion: Nicht dass The Verve nerven, aber sie sind einem egal.

Und so schade es um einige Perlen am Ende des Albums ist (bei "Valium Skies" kommt dann

nämlich wenigstens die Zeit für Nostalgie, der Song klingt wie ein vergessener Teil des

Klassikers "A Northern Soul"): Wenn ein Song "Noise Epic" heißt, ganz leise beginnt und

sich dann – man höre und staune – langsam steigert, bis es am Ende auf beiden

Stereokanälen dröhnt, dann ist das genau diese Art von Plan-Psychedelic, die Abend für

Abend in schlecht belüfteten Proberäumen gespielt wird. "Hat was von The Verve", sagen

dann die von sich selbst und anderen Dingen berauschten Amateur-Gitarristen. Früher

eine pure, ärgerliche Anmaßung. Heute geht das, leider, ganz okay.

Bewertung: 5/12

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