0 Autor: Patrick Grossmann

Incubus - Light Grenades

Light Grenades
  • VÖ: 24.11.2006
  • Label: Columbia / Sony BMG
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 166 - Schönheit der Ausgabe

Wo stehen Incubus im Jahr 2006? Ihr Sänger Brandon Boyd spricht von seinem Lieblingsalbum - wir von einem gelungenen, obschon leicht disparaten Karriere-Querschnitt.

"Sing this song/ Remind me that we'll always have each other/ When everything else is gone", beschwört Boyd im sich sehnsüchtig von Horizont zu Horizont spannenden "Dig" den fortwährenden Kampf um echte Kameradschaft. Auch Incubus haben, soviel steht fest, eine beträchtliche Wegstrecke hinter sich. Als Freunde, aber auch und gerade als Musiker. Dem Freestyle-Gedaddel auf "S.C.I.E.N.C.E." folgte mit "Make Yourself" ein frühvollendeter, bis heute unübertroffener Husarenstreich, dann Stagnation auf höchstem Niveau ("Morning View"), zuletzt ein zumindest nicht durchgängig bejubelnswertes Sich-Freischwimmen im Progrock-Pool mit "A Crow Left Of The Murder". Was nun?, fragte sich die Welt – und mit ihr wohl auch die Band selbst, die sich mit Intimus Brendan O'Brien lange wie nie zurückzog, um die Antwort zu finden. Im Allgemeinen bieten sich bei dieser Vorgehensweise zwei Alternativen: Entweder man verwendet die Zeit dazu, sich ohne Netz und doppelten Boden dem Exzess/ Freiflug/ Experiment (je nachdem) hinzugeben, oder man macht sich ans akribische Verfeinern und Ausziselieren des Archivbestands. Incubus spielen offenkundig letztere Karte, und da ihr Œuvre ein vielschichtiges ist, trifft das auf das vorliegende Ergebnis ebenfalls zu: lupenreine Popballaden, kraftstrotzende, dabei höchst eingängige Rocknummern, verwinkelt arrangierte Funkrock-Sperenzchen fürs nächste Mucker-Seminar – hier geht zusammen, was sich im Grunde anspucken müsste. Weiter denn je haben Incubus die Extreme ausgelotet. Vielleicht zu weit, wie das allzu glattgebügelte "Love Hurts" (!) sowie die selbstverliebt-zickige Nabelschau "Pendulous Threads" nahelegen. Demgegenüber stehen mit der von Boyd makellos gesungenen, schmissigen ersten Single "Anna Molly", dem beseelten "Oil And Water" und dem tänzelnden Raubauz "Rogue" zumindest drei Kandidaten für die Bandgalerie. Ein Album, das kein Meilenstein ist, sondern eher eine Art Weitwinkelaufnahme all dessen, was Incubus in mittlerweile 15 Jahren durchlebt haben und für was sie heute stehen. Entspannt zurücktreten, lange Maß nehmen, die exakte Belichtungszeit bei entsprechender Blende wählen – klick! "My God, will we survive ourselves?!", entfährt es Boyd einmal. Nachzuprüfen hoffentlich in der nächsten Saison.

Leserbewertung: 9.0/12

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