Einen psychologisch günstigen Zeitpunkt nennt man das wohl, wenn man – wie die Londoner Gruppe The
Duke Spirit – mit "Cuts Across The Land", das Stück, dem die Platte den Namen verdankt, eine der
stärksten Nummern an den Anfang gestellt hat. Kraftstrotzend und klar, dabei aber gerade noch so
geräuschvoll, dass auch beim dritten Hören noch keine Langeweile aufkommt. Bands wie die Birthday
Party oder der Gun Club schießen einem in den Sinn – wobei der markante Gesang von Blickfang Leila
Moss freilich eher an Patti Smith erinnert (bei "Stubborn Stitches" und, noch besser, "Fades The
Sun" arbeitet sich Moss erfolgreich an der großen Schwester der CBGB-Lümmel-aus-der-ersten-Bank ab).
Oder an Polly Jean Harvey. Und hier beginnt das eigentliche Problem: Wer kein übermäßiger
PJ-Harvey-Fan ist oder darüber grübelt, ob Neunziger-Noise-Pop britischer Prägung heute noch in
irgendeiner Form relevant ist, dessen Langmut wird bei den folgenden Songs, unterbrochen nur von
"Fades The Sun", auf eine harte Probe gestellt. Denn auch musikalisch driften The Duke Spirit – nach
der furiosen Ouvertüre, so scheint's, etwas außer Puste – in diese Richtung ab; immerhin hat Flood
alias Mark Ellis, einer von zwei Produzenten von "Cuts Across the Land" (der andere ist
Ex-Cocteau-Twins-Bassist Simon Raymonde), vor etlichen Jahren auch schon bei Polly Jean an den
Knöpfchen gedreht. Hält man dem Quintett dennoch bis zum Ende die Treue, wird man für soviel
Durchhaltevermögen von den Herzogen fürstlich entlohnt. Denn die letzten 15 Minuten sind
Duke-Spirit-Viertelstunde. Das ruppige "Lion Rip", wie das Titelstück eine von bislang vier
Single-Auskopplungen, macht schon mal ordentlich die pace, ehe "Love Is An Unfamiliar Name" mit
nervösem Garagen-Blues, repetitiver Refrainzeile und reichlich Vorsprung vor, sagen wir, den
Raveonettes gen Ziel galoppiert. Und während zum Abschluss das versöhnliche,
Velvet-Underground-ähnliche "Red Weather" ertönt, mag man sich nur noch leicht verschämt daran
erinnern, dass man bereits zur Halbzeit etwas voreilig den Schlusspfiff herbeigesehnt hat.
Arbeitssiege hören sich dann doch irgendwie anders an.
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