0 Autor: André Boße

British Sea Power - Open Season

Open Season
  • VÖ: 25.04.2005
  • Label: Sanctuary/Rough Trade
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 146

Der Name verliert sein Programm. Der Irrwitz ist verschwunden, stattdessen konzentriert sich die Flotte auf den zweiten Heimvorteil: atmosphärischen Gitarrenpop.

Alle schrieen nach Joy Division, als British Sea Power vor zwei Jahren auf einer

Clubtour zusammen mit Interpol das Wave-Revival antrieben. Die Band aus Brighton war

damals weit vorne; jetzt ist sie Teil einer Szene, die ausfranst und mitunter so viel

Redundantes produziert, dass es zu nerven beginnt. Vor diesem Hintergrund scheint die

Idee der Band, das Energielevel des Debüts unerreicht zu lassen, sehr charmant. "Open

Season" ist eine perlende, gemütliche Platte geworden. Keiner wird mehr Joy Division

schreien; Pate stehen heute eher Echo & The Bunnymen, die ihre melancholischen

Gitarrenstücke oft ähnlich verzierten. Geradezu sanft schleicht sich der Opener "It

Ended On An Oily Stage" ins Ohr; "Victiorian Ice" hat einen braven Jingle-Jangle-Twang;

"Please Stand Up" ist zwar hymnisch, riecht aber eher nach Binnengewässer denn nach

Meeresluft. Wer es schlecht mit der Band meint, nennt das Kopfkissen-Pop und zitiert

exemplarisch das lieblich-stampfende "To Get To Sleep": "Took a pill last night, just

to get to sleep / put me on my back, not on my feet". Mag schon sein, dass es sich mit

der Platte wunderbar einschlummern lässt. Doch diese Songs laden auch zu alt-englischen

Tagträumen ein: Die alte Seemacht ist noch da, aber es ist Frieden. Entlang der

viktorianischen Strandpromenade gehen wir zum Pier, essen süße Erdbeeren und sehen den

Ladies and Gentlemen beim Flanieren zu. Britischer Wertkonservatismus, denn "Modern

Life Is Rubbish", really.

Bewertung: 9/12
Leserbewertung: 9.0/12

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