szmtag
05.02.2010 | 18:13

Up In The Air

Autor: Daniel Gerhardt Kino Archiv
Up In The Air
  • Paramount
  • Regie: Jason Reitman
  • Darsteller: George Clooney, Vera Farmiga, Anna Kendrick, Jason Bateman
  • Lauflänge: 109 Minuten
  • VÖ: 04.02.2010

Da fliegt er: Jason Reitman hat schon wieder einen Film gemacht, der nicht davon handelt, wovon er handelt.

Mit seinen letzten zwei Filmen war ihm das schon genauso passiert: Juno steckte seine Nase tief ins amerikanische White-Trash-Milieu und packte erfreulich ungeniert das vermeintlich heikle Thema der Schwangerschaft einer Minderjährigen an, wollte ihr aber eigentlich nur beim Erwachsenwerden zusehen. Und die hervorragende schwarze Komödie Thank You For Smoking arbeitete sich anderthalb Stunden lang an den Machenschaften der Tabakindustrie ab, wollte aber eigentlich nur einem Erwachsenen beim Erwachsenwerden zusehen. Der Ansatz für Up In The Air ist ähnlich, der Backdrop aber ein anderer, tagesaktuellerer. Vielflieger Ryan Bingham (George Clooney) wird von seinem Arbeitgeber durch die großen und mittelgroßen Städte Amerikas gescheucht, um dort die Drecksarbeit für verkleinerungswillige Firmen zu übernehmen, deren CEOs nicht die Eier haben, ihre Angestellten selbst zu feuern. So werden Bingham und seine junge, altkluge Kollegin Natalie Keener (Anna Kendrick) immer wieder durch trostlose Geisterlandschaften aus verlassenen Büros geschleust und an meterhohen Müllbergen aus ausrangierten Schreibtischstühlen vorbeigeführt, bevor ihnen ihr nächstes Opfer vorgesetzt wird – und Reitman gibt einen stillen Kommentar zur Lage der Nation ab, um den es in Up In The Air letztlich genauso wenig gehen wird wie den CO2-Fußabdruck seiner Hauptfigur, die beharrlich auf 10 Million Bonusmeilen zusteuert.

Einher mit Binghams Job geht ein Lebenswandel zwischen Hotelzimmern, Mietwagen und First-Class-Lounges, in dem er es sich gemütlich eingerichtet und Kontakte zu Freunden und Familie auf das Allernötigste heruntergekürzt hat. Er liebt das Unpersönliche und Unverbindliche und scheint in der ebenfalls viel fliegenden Alex Goran (Vera Farmiga) sogar den perfekten Gelegenheitspartner dafür zu finden. So richtig beginnt Up In The Air also eigentlich erst, wenn Bingham und Goran sich näher kommen, als es beiden ursprünglich lieb war, sie gemeinsam eine Hochzeit besuchen und schließlich vor der Frage stehen, ob sie doch mehr voneinander wollen als regelmäßige Holiday-Inn-Quickies. Reitman muss man hoch anrechen, dass er zu diesem Zeitpunkt bereits genug Material und Storyschlenker für drei Filme verbraucht hat und trotzdem noch nicht zufrieden ist. Er verschenkt Up In The Air nicht an ein halbgares Romantic-Comedy-Ende mit Moralzeigefinger, sondern nimmt die Komplexität seiner sorgfältig aufgebauten Charaktere bis zum Schluss ernst. Deshalb passiert hier nichts Unvorhergesehenes oder Weltbewegendes außer dem Leben selbst – es wird einfach einer erwachsen und am Ende tut er einem sogar Leid deshalb.