VISIONS Nr. 248 - 11/2013

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VISIONS 248

Mit das Spannendste an unserem Job ist, dabei zuzusehen, wie der Schalter umgelegt wird. Wie aus einer Backstage- unvermittelt eine Bühnenpersönlichkeit wird. Beides muss nicht viel miteinander zu tun haben. Tom Smith zum Beispiel. Vor seinem Auftritt am letzten der drei Westend-Festivaltage im Dortmunder FZW saß er mit seinen Bandmitgliedern im Neonlicht der Künstlergarderobe und alberte herum. Keine Viertelstunde später stand er dann auf der Bühne, geflüchtet ins Dickicht aus Nebel und langen Schatten und führte die Editors mit seiner Grabesstimme durch ein 21-Song-Set. Ein guter Schauspieler, ein Berufsprofi – oder doch das wahre Gesicht des lichtscheuen Briten? Mehr dazu im Westend-Rückblick.

Leider haben aber auch wir nicht immer die Chance, den Musikern so nahe zu kommen. Arcade Fire etwa haben sich im Vorfeld ihres neuen Albums Reklektor der Presse weitgehend entzogen. Das kann sich die derzeit höchstdotierte Indierock-Band der Welt durchaus leisten. Aus unserer Sicht muss die Geschichte zu Reklektor deshalb aber zwangsläufig knapper und distanzierter ausfallen, als wir uns das eigentlich wünschen. Markus Hockenbrink hat sich der Aufgabe angenommen. Statt also Arcade-Fire-Boss Win Butler unter vier Augen begegnet er der Heimlichtuerei seiner Band – mit gebotener Vorsicht. Manchmal eröffnet die Redefaulheit eines Musikers aber auch neue Möglichkeiten. Dann nämlich, wenn an seiner Stelle jemand anderes in die Bresche springt. So geschehen bei Pearl Jam. Sänger Eddie Vedder wollte über das zehnte Album der Band keine großen Worte verlieren – jedenfalls nicht gegenüber der „Fachpresse“, also Musikmagazinen. Nicht wegen schlechter Erfahrung, geschweige denn aus Böswilligkeit; er habe einfach nur mal Lust, über den Tellerrand zu schauen. Also überließ Vedder das Reden mit uns ausnahmsweise seinem Gitarristen Stone Gossard, eine in jeder Hinsicht glückliche Entscheidung: Im Interview mit André Boße entpuppte sich Gossard als reflektierter Typ, der tiefe Einblicke in die Bandchemie von Pearl Jam gewährte.

Stone Gossard, so viel vorweg, wird euch vor Jahresende noch einmal bei uns im Heft begegnen, in der großen Jubiläumsausgabe 250, die am 18. Dezember erscheint und das breite Musikspektrum von VISIONS abbilden wird wie keine vor ihr. Mehr möchten wir dazu an dieser Stelle nicht verraten, ein bisschen Geheimniskrämerei muss noch erlaubt sein. Nächsten Monat erfahrt ihr dann an, worum es geht. Bis dahin viel Spaß mit VISIONS 248!

Die CD im Heft: All Areas Vol. 156 - mit Midlake, Protest The Hero, The Flatliners, Sepultura, Stone Temple Pilots und vielen mehr.

Inhalt der Augabe

Titelstory: Pearl Jam

Pearl JamMitten in der Nacht am Ende eines heftigen Unwetters zeigt sich wieder einmal, was die Leute an Pearl Jam haben: Diese Band gibt immer mehr, als sie eigentlich muss. Nun ist ihr zehntes Album draußen: Steht "Lightning Bolt" für Routine oder Aufbruch? Wie funktioniert diese Band eigentlich? Und was muss passieren, damit Pearl Jam aufgeben? André Boße fand Antworten.

Arcade Fire

Arcade FireLPs von Arcade Fire klangen schon immer wie Doppelalben, diesmal ist es auch wirklich eins geworden. Die Aufnahmen zu "Reflektor" führten die Band von Kanada in die Karibik und von der Vorstadt in die Großraumdisco. Dabei lernten sie offenbar nicht nur das Tanzen, sondern auch eine spezielle Art der Selbstironie, die im Gegensatz zu den großen Themen steht.

Monster Magnet

Monster MagnetSie waren nie eine schlechte Band. Sie waren nur irgendwann egal. Dabei hat Dave Wyndorf, Frontmann einer der besten, langlebigsten und umtriebigsten Psychedelic-Rock-Bands dieses Planeten nicht an Charisma eingebüßt. Gut, dass er seinem zehnten Album "Last Patrol" davon genug mitgibt. Wir blicken zurück und nach vorne mit Monster Magnet.

Russian Circles

Russian CirclesSeit vier Alben und sechs Jahren ist Verlass auf die drei Musiker Mike Sullivan, Dave Turncrantz und Brian Cook: Als Russian Circles veröffentlichen sie qualitativ hochwertige Alben, die Postrock und -metal verschmelzen und sich anderen Einflüssen nicht verwehren. Mit diesem Rezept werden ihre kleinen und komplizierten musikalischen Denkmäler noch einige Jahre überdauern, hofft Bassist Brian Cook. Das neue Album "Memorial" wird seinen Teil dazu beitragen, auch wenn das Trio dessen Songs schon zum zweiten Mal lernen muss.

Stone Temple Pilots

Stone Temple PilotsAls Chester Bennington seinen Kindern von den Stone Temple Pilots erzählte, wollten sie erst einmal wissen, wer das überhaupt ist. Ein unhaltbarer Zustand, fand der Linkin-Park-Sänger. Zum Glück hatte die Band gerade ihren eigenen Frontmann „terminiert“, und auf der frei gewordenen Stelle macht Bennington eine überraschend gute Figur. Fragen nach Tradition, Moderne und Scott Weiland stellen sich natürlich trotzdem, und die Band möchte sie auch beantworten. Dafür muss Markus Hockenbrink ausgerechnet nach Las Vegas.

Metallica

>MetallicaMetallica machen da weiter, wo sie zuletzt mit "Lulu" verbrannte Erde hinterlassen haben: in der Nähe des Brandenburger Tors. Die größte Metalband der Welt hat mit "Through The Never" mehr als einen gelungenen Konzertfilm im Gepäck. Mit Fans und Presse feiern 50 Prozent Metallica die Premiere ihres ersten 3D-Films im Berliner Sony Center. Komm, wir geh’n ins Kino.

Weitere Themen:

Themeninterview: Dustin Kensrue, Red City Radio, Cloud Control, Red Fang, Pelican, The Low Frequency In Stereo, Dregen, Blinddate: Frank Turner, Soulfly, White Denim, Protest The Hero, Jonathan Wilson, Sepultura, The Flatliners, Midlake, Wie kauft man: NOFX, AFI, The Dismemberment Plan, Cult Of Luna

Außerdem:

Der Soundcheck in diesem Monat mit Russian Circles, Casper, White Denim, Pearl Jam, Monster Magnet und vielen anderen. Plattenrezensionen von CD bis Vinyl, außerdem alle wichtigen Reissues und Film-Reviews.

Live

Konzertberichte aus den letzten Wochen. Diesmal unter anderem mit dem Westend-Festival, Captain Planet, den Pixies und dem Reeperbahnfestival.

Beilage: 156 - All Areas CD

Tracklisting

156 - All Areas CD Cover
  1. Stone Temple Pilots With Chester Bennington - Out Of Time
  2. Sepultura - The Age Of The Atheist
  3. Protest The Hero - Clarity
  4. Tides From Nebula - Satori
  5. Corrections House - Run Through The Night
  6. The Low Frequency In Stereo - Black Receiver
  7. Robert Pehrsson’s Humbucker - Wasted Time
  8. The Sky We Scrape - Southern Hospitality
  9. The Flatliners - Caskets Full
  10. Midlake - Antiphon
  11. Tim Kasher - The Willing Cuckold