Green Day: Berlin - Columbiahalle (21.08.2001)
Konnte man sich vor ein paar Jahren noch darüber streiten, ob Green Day-Konzerte irgend etwas mit Punk zu tun haben, ist der Fall im Jahre 2001 sonnenklar: Nein, nichts. Auch wenn Billie Joe und Co. immer mal wieder gerne die bösen Buben spielen, agieren sie mittlerweile als lupenreine Stadionrockband, allerdings ohne Stadion. Nach dem eher durchschnittlichen Support Zebrahead zielen Green Day direkt mit dem ersten Song Nice Guys Finish Last darauf ab, den Geschmack eines jeden zu bedienen, mit dem Resultat, dass Billie Joe förmlich in der Begeisterung des Publikums badet, die sich in Wogen auf die Bühne ergießt. Beim zweiten Stück Castaway vom aktuellen Album Warning kann er dann schon nicht mehr an sich halten und entertaint die Massen mit den typischen Hey-Ho-Wechselgesängen. Green Day lassen eigentlich kein Klischee aus, das hinlänglich bekannte Rockstargrößen zur Perfektion getrieben haben: Jeder Song erhält eine ausufernde Singalong-Passage, in der sich wahlweise Mädchen und Jungs oder linke und rechte Hallenseite einen munteren Sängerwettstreit liefern können. Dem Volk gefällt es offenbar, trällert es doch bis zum Ende munter mit. Natürlich ist so eine Teenie-Party nichts ohne ein paar eingestreute Spiele: So werden drei wagemutige Musikanten aus dem Publikum nach oben gebeten, um als Berlin Bastards die Instrumente zu übernehmen und gemeinsam mit Green Day einem Operation Ivy-Song den Rest zu geben. Außerdem tanzt Billie Joe immer wieder mit schelmischem Grinsen und einer Riesen-Wasserpistole spritzend über die Bühne und lässt sich mit ausgebreiteten Armen ausgiebig feiern. Musikalisch macht den Kaliforniern hingegen kaum einer etwas vor: Tight wie Hölle und perfekt aufeinander eingespielt werden Songs wie Welcome To Paradise Warning, When I Come Around und Curch On Sunday heruntergeschmettert. Natürlich erwartet niemand ernsthaft mehr von Green Day als anderthalb Stunden gute Laune, mir persönlich kommt aber immer noch das kalte Grausen, wenn mit Minority ein Song, der durchaus eine der Punktradition verpflichtete politische Aussage enthält, zu einem Kaspertheater verhunzt wird. Aber vielleicht bin ich ja einfach nur zu alt.





