25.10.2017 Autor: animalgod

The National - Sleep Well Beast

Ein klein wenig tritt das Quintett aus Cincinnati mit seinem fünften Album auf der Stelle. Es ist umso mehr der experimentellen Freigeistigkeit der Dessner-Brüder zu verdanken, das "Sleep Well Beast" immer noch nicht The Nationals endgültiges Balladen-Album geworden ist. Was sagt es über eine Rockband aus, wenn auf ihren Alben bei mehr als der Hälfte aller Songs ein Klavier die dominierende Rolle spielt? The National setzen schon seit Jahren ihre eigenen ästhetischen Parameter. Nichts liegt ihnen ferner, als ihre verhaltenen, abstrakten und immer ein wenig avantgardistisch aufgeladenen Songs mit eindeutigen Rock-Reminiszenzen zu verschlimmbessern. Im Nachhinein kann man "Trouble Will Find Me" genau dafür ankreiden, zu sehr den Feuerzeug-Schwenkern auf ihren Konzerten imponiert zu haben. "Sleep Well Beast" hat gewiss wieder solche Momente, so wie das schauderige "Nobody Else Will Be There", in dem ein trauriges Klavier einen geloopten, brüchigen Beat umgarnt. The National können aber neuerdings auch wieder laut sein. Etwa wenn sich Aaron- und Bryce Dessner in "Turtleneck" derart aufreiben, dass man sich fragt, wer von beiden live zuerst seine Gitarre auf dem Boden zerschellen lassen würde. Natürlich wird das nicht passieren. Wir reden ja über The National. Es sind wieder diese vielen, kleinen, geliebten Kunst-Kniffe, die "Sleep Well Beast" so außergewöhnlich machen. In "The System Only Dreams In Total Darkness" feiern sie schon fast ausgelassen ihre Zusammenkunft: auf einem durchgehend krummen, maschinellen Takt werden fast unbemerkt Klaviernoten liegen gelassen, macht ein nervig dazwischen geschleuderter Schrott-Gitarren-Akkord immer wieder auf sich aufmerksam, melden sich gut gelaunte Bläser im Hintergrund und Matt Berninger bekommt es gegen Ende sogar fertig, die Zeile "And I cannot explain it..." derart eigenartig zu betonen, dass sie zwar kaum einer versteht- sie sich aber passgenau am Rhythmus des Songs anschmiegt. The National sind eine Band, die immer besser sein will, als auf ihrem letzten Album. Und sie sind wieder nah dran. Die zweite Hälfte von "Sleep Well Beast" ist deswegen auch die Interessantere, weil die Band hier vermehrt mit programmierten Beats arbeitet. So wie im wunderschönen "Guilty Party", welches ein Garant für Gänsehaut ist, dem bombastischen "Ill Still Destroy You" oder dem sich bedrohlich aufbauendem, klaustrophobischen Titeltrack. Dennoch lässt sich "Sleep Welll Beast" nur schwer zusammenfassen. Wenn dieses Album aber mindestens in einem Punkt seinem Vorgänger voraus ist, dann in dem, dass es seine verschwenderische Produktion diesmal transparenter erklingen lässt. Die kopflastige Detailverliebtheit und die bleischweren Balladen begegnen sich hier endlich wieder auf Augenhöhe. Eigentlich glaubt man The National mittlerweile gut genug zu kennen und doch schaffen sie es immer noch zu überraschen und zu verstören. Sie können einfach gar kein schlechtes Album aufnehmen.

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