25.04.2013 Autor: SusanStorm

BLUE MILK - BLUE MILK

BLUE MILK - BLUE MILK Bewertung: 12/12

Auf der Suche nach neuem Input bin ich beim surfen im Netz eher zufällig über diese Alternative-Pop-Band aus Deutschland gestolpert. Ein Trio, das nach eigenen Aussagen in der Tradition von britischem Alternative-Rockbands steht. Außerdem fallen Namen wie Stereophonics oder Depeche Mode. Das klingt erstmal viel versprechend, will aber natürlich überprüft werden.

Schon beim ersten Song wird klar, wohin die Reise geht. Eine düstere Basshook, klare druckvolle Gitarreneinwürfe bauen eine eher mystische Stimmung auf, die von der rauen, hauchigen Stimme des Sängers unterstrichen wird. Gefolgt wird das Ganze von einem klaren Rockrefrain der sofort hängen bleibt. Am ehesten fühle ich mich an Chris Cornells „You know my name“, den Titelsong zum James-Bond-Film „Casino Royale“, erinnert, ohne das Gefühl zu bekommen, eine Kopie vor mir zu haben. Textlich wird eine Dame besungen, die ihr Herz mit beiden Händen verschenkt und nach dem Leben sucht. Rundum ein gelungener Einstieg, der auf mehr hoffen lässt.

Der 2. Song „Ground Zero“ ist auch gleichzeitig die Singleauskopplung, die beim Deutschen Rock & Pop Preis 2011 in der Kategorie „Bester englischsprachiger Song“ den 2. Platz belegt hat. Der Song nimmt von Anfang an Fahrt auf. Ein treibender Gitarren Hook, straighte Rock-Drums und eine Gesangshook, die von Anfang an Spannung aufbaut, die sich dann im Refrain entlädt. Definitiv der Hit des Albums, der sich schon beim ersten Hören in die Gehörgänge frisst. Textlich geht es um Vergebung, um eine Beziehung, die eine schwierige Phase durchlebt. Im Ganzen ein geiler Rock-Song, Marke Radiohit, von denen man allerdings gerne mehr im Radio hören würde.

Ein weiteres Highlight, das ich im Einzelnen erwähnen möchte, ist „You make me complete“: Hier zeigt sich die eher sanfte Seite von Bluemilk. Der Song beginnt eher folkig, nur mit Akustikgitarre und Stimme, entfaltet sich aber spätestens mit dem ersten Refrain. Erinnerungen an Coldplay oder Snowpatrol werden wach und der erste Eindruck - die leise Angst, dass das Ganze in den Kitsch abrutschen könnte - weicht einem wohligen, ergriffenen Gefühl. Ein klassischer Lovesong, der es allerdings schafft der Belanglosigkeit dadurch zu entkommen, dass man dem Sänger die Emotion wirklich abnimmt. Fallen lassen und mit träumen….

Einer der intensivsten Momente des Albums ist zweifelsohne „Love“. Erst minimalistisch und leise mit einer verstörenden Soundwand und Choreinwürfen beginnend, baut sich der Song zum Ende hin zu einer regelrechten Hymne auf, in der sich die markante Stimme von Marco Stary unnachahmlich entfalten kann. Ich sehe in der Ferne Radiohead oder Sigur Ros salutieren. Einfach ergreifend und schön. Was wäre ein richtiges Indie Album ohne einen Schuss Gesellschaftskritik. Am lautesten wird diese im trotzigen "Call For Sanity", in dem es um die Unsinnigkeit von Kriegen, Machtversessenheit und Geldgier geht. Wieder wird der Song vorerst von einer eingängigen verzerrten Basshook getragen, bevor im Refrain rotzige, druckvolle Gitarrenblöcke die Oberhand gewinnen. Im Laufe des Songs wird immer mehr Fahrt aufgenommen. Eine starke Alternativenummer, bei der man gerne mal den Volumeregler weiter aufreißt. Auch wenn die Antikriegsbewegung heutzutage eher lahmt und die Aussage „Seid vernünftig, am Ende sind wir alle gleich“ nicht wirklich neu ist, hat sie ihre Richtigkeit nicht verloren. Nachdenken erlaubt…. Auf der ganzen Platte wird immer Wert auf den Song und die Aussage gelegt, Platz für Improvisationen oder breite Instrumentalparts gibt es da nicht. Im Vordergrund stehen der Gesamtklang und meist auch die Stimme, was der Kompaktheit der Songs entgegen kommt und den ehrlichen und persönlichen Texten den angemessenen Raum gibt. Insgesamt ist es eine sehr emotionale Scheibe, aber dennoch immer wieder überraschend und inspirierend. Was einem dabei aber wirklich erstaunt, ist die Authentizität der Songs…Gänsehaut Momente gibt es haufenweise. Für einen Erstling klingt das alles sehr reif und eigenständig. Liegt wohl auch daran, dass die 3 Musiker zeitweise zusammen in einer WG mit integriertem Proberaum gelebt haben. Danke dafür: Endlich wieder mal ein Beweis, dass es auch in Deutschland Alternativ Bands gibt, die den internationalen Vergleich nicht scheuen müssen. Blue Milk, „Blue Milk”, erschienen bei May Records, erhältlich in allen Plattengeschäften und als Download über die offiziellen Portale.

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