Look What I Did - Minute Man For The Moment
Bewertung: 8/12 Eilmeldung! Ein Van voller Instrumente überrollte versehentlich die Chipmunks. Im Radio lief ein Popsong. Zum Glück wurden alle verletzt.
Epilepsiegefährdete Mathcorebands haben verhaltensauffällige Sänger. Geschenkt. Das gehört zum schrägen Ton. Einen derart Irren können aber nur die Wenigsten aufweisen. Gestatten: Barry Donegan. Vermutlich einer von Zappas unehelichen Söhnen, belegte sicher öfter einen der vorderen Plätze bei Brandon-Boyd-Singalike Wettbewerben und wird wohl seinen Lebensunterhalt als Proband für mehrere Testreihen psychoaktiver Pharmaka bestreiten. Anders sind seine Eskapaden nicht zu erklären. Man muss sich das mal vorstellen: Eine ohnehin schon hyperaktive Band frontet ADHS in Person. Pardon, begabtes ADHS. Denn obwohl hier jemand den Anschein erweckt, er wüsste nicht was er tut, lässt sich eine Linie erkennen. Donegan schreit, wie er nun mal schreit. Kein aufgesetztes Gegrunze, keine Effekte, nur er und die Neurosen. Beziehungsweise der Dadaismus. Und er kann singen, ja, kann er. Wenn er denn will. Das kommt nicht allzu oft vor, lässt dann aber umso mehr aufhorchen. Die Band um ihn agiert ähnlich. Technisch bis zum Anschlag, nur nie im Metal. Sie kalkulieren Katastrophen, haben aber oft das Gespür für den einen Moment der Klarheit. Wenn sie diesen vermissen lassen, kann das nerven. Ganz gewaltig sogar. Dann geht "bemüht" in "übermüdet" über. Aber wenn nicht, wird's faszinierend. In Songs? Nun ja, der Refrain des Titeltracks leuchtet den Weg im Sturm nach Hause. "The FOX Eats TVishmael" klingt wie der Versuch, einen besoffenen Freund von einer Schlägerei abzuhalten und wenn's dann gelingt, und er einem auf dem Nachhauseweg ein ehrliches "Give Me A Break" entgegenrülpst, weiss man, dass sich der Abend gelohnt hat. Der Beinah-Alternative-Song "Cupid Full Of Eros" wirkt im Albumkontext fast paradox, so geradlinig läuft der ab. Macht aber genau dadurch mächtig Laune. Und "Zanzibar II: Sasha And Sebastian" beweist dann über fast siebeneinhalb Minuten, dass die Klapse nur um die Ecke liegt. Denn Song und Album enden genau da. Aber Leute, was für Schwestern!!
Würden die sich nicht hin und wieder gewaltig selbst auf den Füssen rumtrampeln, hätten sie's (das Album ist von 2005) sicher noch zu mehr gebracht. Egal, Radio stinkt und das Schönste ist doch, wenn der Techniker sich mal schick macht und dem verwöhnten Chefbalg das Model ausspannt. So er denn will.




