Bush - The Sea Of Memories
Bush sind zurück. Was können Hörer erwarten? Komplexe Rockmusik sicher nicht, aber das war auch niemals Bush-Musik. Viel eher waren es auf den Vorgängeralben markante Songs, Melodien und Riffs sowie Gavin Rossdales Stimme. Dies alles findet sich auch auf "The Sea of Memories" - nur ist es nicht dieses mal nicht so besonders wie auf Sixteen Stone oder Razorblade Suitcase. Auch die Elektronik wie auf The Science Of Things ist passe, aber auch die Dichte von Golden State erreicht das neuste Werk von Rossdale und Co nicht. Dafür hat es poppigere Melodien, die Rossdale erstmals auch so singt. Auf den Alben zuvor waren es oft ähnlichere Gesangslinien. Vermutlich singt Rossdale aktuell so gut wie nie zuvor. Auch das Tempo der Lieder ist schneller und somit anders - durchaus Neuland. Es klingt gut bei "She's a Stallion", "Afterlife" oder "I Believe In You" - auch dank für Bush ungewöhnlicher Rhythmik. Bei den anderen schnelleren Songs fehlt häufig eine markante Melodie von Gitarrist Chris Traynor. Dies ist ein Teil des Albums. Dann gibt es - fast schon typisch für Bush - zwei ruhigere Songs. All Night Doctors mag manch einer schmalzig finden, jedoch ist eine Verbindung aus "Glycerines" verzerrten Gitarren und Klavier a la "LEtting the Cables Sleep". Das andere Lied ist dagegen schwächer, dafür aber gut gesungen.
Der Dritte Teil hat eher klassische Bush-Songs im Midtempo-Bereich mit großen Refrains und Hooklines. Es ist die Brücke ind die Vergangenheit, auch in Erinnerung an die alten Songs und damit passend zum Albumtitel. "The Heart Of The Matter" und "All My Life" sind dicke Rockbretter mit wuchtigen Riffs und heulender Leadgitarre - ein gutes Beispiel dafür, dass es Traynor hier deutlich besser schafft eine eigene Stimme zu zeigen und das Songwriting zu ergänzen, als bei einigen schnelleren Songs. "The Sound of Winter" ist nicht spekatukalär, aber dafür ein gut geschriebener ALternative Rock Song. The Mirror auf Sings ein interessanter Opener - nicht direkt ein Hit, aber dafür vielleicht der abwechslungsreichste Song auf dem Album.
Was das Problem der Platte ist: das musikalische Gewissen fehlt. So nannte Jochen Schliemann Original-Gitarrist Nigel Pulsford in seiner Visions-Story zu Golden State im Jahr 2001. Pulsford hat einen sehr guten Gitarrensound, dem Traynor zwar nahe kommt, aber nicht dessen Eigenständigkeit erreicht. Zugleich hat Pulsford als Gegenpol Rossdales Ideen auch kanalisiert und ergänzt. Das fehlt dem Album (wie auch in Teilen dem Nebenprojekt "Institute" und fast gänzlich Rossldales Soloalbum "Wanderlust"). Was zum etwas poppigeren Ansatz passt ist Bob Rocks dicke Produktion - jedoch wäre ein anderer Produzent sicher spannender gewesen. Auch ein Unterschied zu früher, als Bush unteranderem Albini und Sardy im Studio hatten und so ihrer Musik jeweils Dynamik und spannende, eigene Klangfarben verliehen.
Ebenfalls schade: die Lyrics. Früher voller Metahpern und mit durchaus spannenden Themen (im Gegensatz dazu was oft behauptet wird) oder zumindest interessanter Umsetzung. Heute dreht sich viel um Liebe, was an sich nicht schlimm ist, jedoch oftmals sind es abgenutzte Wörter und bekannte Bilder - etwas Rossdale früher umgegangen ist und eigene Ausdrücke gefunden hat. Auf der aktuellen Platte findet er dazu nur selten.
Dennoch sind Bush besser zurückgekehrt, als nach dem Soloalbum gedacht. Wer nun erwartet hat, dass Bush sich neu erfinden, muss andere Bands hören. Aber das war schon immer klar. Bush wurden meist ignoriert oder unterschätzt und mit Creed oder Nickelback verglichen - hier beweist Bush jedoch mehr Geschmack und Stil. Wer Bush heute hört, erhält wie schon früher immer noch gute, straighte Rocksongs, die von einigen interessanten ungewöhnlichen Bush-Stücken ergänzt werden. Jedoch gibt es dieses Mal auch etwas mehr schwächere. Dazu gibt es das schönste Cover der Diskographie. Und auf die Live-Versionen von The Sea Of Memories darf man sich auch freuen - da waren Bush schon immer eine Bank.
Bewertung: 7/12 



