Miles Davis The Definitive Miles Davis At Montreux 1973-1991
Bewertung: 12/12 Artistprofil von Miles DavisZum 20. Todestag der Jazzlegende Miles Dewey Davis III. (* 26. Mai 1926 in Alton, Illinois; † 28. September 1991 in Santa Monica, Kalifornien) von Eddy Czesnick
Miles ist nun seit 20 Jahren weg - Er hat sein Vermächtnis hinterlassen in jedem, der seine Musik und sein Anliegen verstanden hat. Finde Deinen eigenen Ton und Du wirst unvergessen bleiben. Alle Musiker, die mit Miles auf der Bühne standen, haben ihren Ton gefunden... und ich habe am 01.11.1985 angefangen mich selbst zu suchen - Dank seiner Hilfe bin ich zum Jazz gekommen, um heute Musik in seiner Vielfalt zu verstehen und zu leben. Miles ist weg - ersatzlos verschwunden - und wir haben unseren Ton. …
Miles Davis war und bleibt einer der umstrittensten und schillernden Persönlichkeiten des Jazz. Seine Verschlossenheit und Unberechenbarkeit Formten einen Mythos. Sein revolutionärer Beitrag in der Geschichte des Jazz bleibt unbestritten. Er formte die Jazz Stile nach belieben und Laune, stellt die, bis dato konservative Jazzwelt 1969 völlig auf den Kopf, huldigte Jimi Hendrix und Prince – ließ sich von seiner damaligen Ehefrau Betty Davis neue Klamotten entwerfen und packte den feinen Anzug für immer in den Schrank. Gil Evans war einer seiner Erneuerer: der Pianist, der im New York der 50er Jahre seine Kellerwohnung offen ließ, um kreativen Kollegen JEDE Nacht Eintritt zu gewähren. Offenheit und der unbedingte Wille zur Veränderung kreierten seine Persönlichkeit – die Begegnung mit Miles von Gott gelenkt (?) – vielleicht – in jedem Fall eine Begegnung, die die Musikwelt veränderte.
Sein (Miles) enormes Plus > immer mit dem Ohr am Geschehen zu bleiben, alle Einflüsse einzuatmen, zu lernen, wie zu Beginn, als er an den vordersten Tischen der New Yorker Jazz-Klubs seinen Süßkram knabberte und den zukünftigen Kollegen aufs Händchen schaute. Er lernte, sog, beobachtete aufs Genaueste – erlernte sich sein Handwerk selbst, nutze die üppigen Voraussetzungen seines Elternhauses für seine eigentlichen Berufung - oft zum Leidwesen seines einflussreichen Vaters. Eine benannte Szene aus seiner Kindheit > der gemeinsame Spaziergang durch die Wälder, der Hinweis des Vaters dem Gesang der Vögel zu lauschen … was unterscheidet diese Vögel – ihr EIGENER Ton.
Und genau diese Botschaft entscheidet bis heute zwischen Erfolg und Misserfolg, zwischen Durchbruch und Stagnation, zwischen Ruhm und Verzweiflung.
Alle seine Kollegen haben sich genau dies zu eigen gemacht und schreiben bis Heute Geschichte. Die Musikwelt 2011 scheint ein Chaos, ein einziges Durcheinander und letztlich gehr es immer darum: erkannt zu werden, gehört zu werden, in der Vielfalt der „Gesänge“. Und diese Weisheit nur auf die Musik zu beziehen, wäre armselig. Persönlichkeit und Charisma – die Umwelt formt sie, doch letztlich muss man den entscheidenden Schritt selbst gehen!
Zwei persönliche Erlebnisse prägten mein Leben – der Auftritt der Miles Davis Group am 01. November 1985 beim Berliner Jazzfest, dem ich aus bekannten Gründen nicht live erleben, dafür Dank des SFB und eines funktionstüchtigen Tessla-Spulentonbandes für meine Ewigkeit festhalten konnte und das Lesen seiner Autobiographie. Ich schloss, in der Badewanne sitzend dieses Buch, betrat das Wohnzimmer und veränderte mein Leben.
Ich persönlich verdanke diesem Künstler MEIN Leben und ich habe nie musiziert. Am heutigen Tag, dem 28. September 2011 gedenke ich einem Revolutionär, einem Erneuerer, den besten „Freund“, den ich je hatte.
Eddy Czesnick
PS: Am 21.10.2011 erscheint in Deutschland das lange und sehnsuchtsvoll erwartete DVD Gesamt Werk – „Miles In Montreux“ auf 10 DVDs. Claude Nobs dafür ein besonderer Dank.




