30.06.2011 Autor: Powder To The People

Dance Gavin Dance - Downtown Battle Mountain II

Dance Gavin Dance - Downtown Battle Mountain II Bewertung: 10/12

Alles gut. Dance Gavin Dance kombinieren die verschiedenen Stationen ihrer Vergangenheit schon fast beängstigend problemlos.

Was war die Screamo-Szene doch in Aufruhr. Einer der besten Vertreter kündigte nach dem mauen "Happiness" einen Nachfolger mit beinaher Originalbesetzung an. Und dann heisst das Album auch noch wie das legendäre Debüt, nur halt mit einer II dahinter. Erwartungshaltung galore. Zwar scheint sowas in letzter Zeit bei einigen alten Helden normal zu werden, doch diese Band wusste grösstenteils eben immer was richtig ist. Der vierte Langspieler macht da keine Ausnahme. Auf dem Papier bleibt alles beim Alten. Will Swan, der immer noch aussieht als hätte ein Phillipino Bud Spencer verschluckt, rast mit seinen Wurstfingern übers Griffbrett das es nur so qualmt, gibt aber auch etwas entspannteren Klangräumen eine Chance. Drummer Matt Mingus bedient die Doublebass sexy wie eh und je, und für den Groove sollte der Mann sowieso mit Preisen überschüttet werden. Jonathan Mess keift sich erneut wie ein Angestochener durch die Songs. Pferdelunge + Wortrhythmik = Win! Eine wahre Freude ist aber vor allem Jonny Craig. Klar, ein Douchebag vor dem Herrn. Nur würden sich einige Bands die Fussnägel ausreissen um mit so einer Stimme aufwarten zu können. Die Rückkehr der beiden Frontmänner macht die Songs nämlich erst zu eben solchen. Eine epileptischer Anfall wie "The Robot With Human Hair Pt. 2 1/2" ist instrumental schon fast zu Tode gefrickelt, Craig schiesst den Refrain aber dermassen cool aus der Hüfte, da wird einem ganz anders. "Need Money", mit seinem feinen Bläsereinsatz, wird durch das Hyperaktiv-Shouting zur rasanten Abfahrt. Während "Privilously Poncheezied" sich (für DGD Verhältnisse) etwas zurücknimmt und mal eben vom Funk in einen Salsarhythmus gleitet. Auch lyrisch bleibt die Band eine Ausnahmeerscheinung. Kein Standardgesülze, sondern Probleme, Enttäuschungen oder wahlweise Dekadenz der unteren Mittelschicht sind Thema. Genügend Flüche um den Papa misstrauisch zu machen, aber attraktiv genug um das Mädchen dann doch ins Bett zu kriegen. Der Teufel steckt halt gern in Leuten die schräg unter ihrer Mütze stehen. Mittlerweile muss man dafür nicht mal mehr schwarz sein.

Im Zweifel bleibt die Refernzplatte wohl doch "S/T". Aber es ist erfreulich wie sehr der Sound dieser Band immer noch funktioniert. Auch im Jahr 2011 klingen sie nach Circa Survive mit einem Kilo Koks im Grosshirn. Nach einer Marvin Gaye Platte inmitten eines Bürgerkriegs. Nach Vorhofflimmern beim Beischlaf. Oder schlicht: nach guter Musik.

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