ALSO - Music Belongs In The Background
Bewertung: 11/12 Stimmgewaltiger, ungestümer, bitter-süßer Indie-Rock:
Mit dem Zweitlingswerk geht das US-Rocktrio aus L.A. beständig seinen Weg, und wie! Aus den Grammy-Award-prämierten Händen von Tontechniker Warren Riker klingt ihr melancholischer Indie-Rock breit, satt und direkt, nimmt ihm aber nie den Raum zum Träumen. Man kann sich nie ganz entscheiden, ob man jetzt in der Garage sitzt, inmitten einer kargen vom Mondschein durchleuchteten Nachtlandschaft oder doch dem kalifornischen Küstenwind an einem sonnigen Frühlingstag ausgesetzt ist. Der Effekt bleibt befreiend, denn von dieser Ambivalenz lebt die Musik von Also. Es kracht episch auf "I Love You" oder "So Long", es oszilliert psychedelisch und beschwörend in "By Now You Should Know", es beschwingt heiter ironisch bei "Mayfly" und zeigt sich beim Titeltrack "Music Belongs in the Background" experimentierfreudig und schlagzeugerisch markant. Besinnlich intim wird's beim finalen "Frost", einem sich davonschleichenden, leise abklingenden Acoustic-Track. Und mit der Anti-Hymne "Call It Funny" wird unsere Wegwerfgesellschaft auf Herz und Seele projeziert. Hier sind Könner am Werk. Vieles hat man schon mal irgendwo in der Rock'n'Roll of Fame gehört, aber in solch ausgeklügelter Vielseitigkeit wurde es noch nie angerührt. "Music Belongs In The Background" entfaltet sich mit jedem Hören und schleicht sich unterschwellig vom Ohr in die Tiefen der Gedankenwelt. Kurz und Knapp: Vielleicht zu vielseitig um wahrgenommen zu werden, wobei sich hier doch Postrocker, poetische Tagtraum-Minimalisten, Shoegazer und Power-Pop-Optimisten zum romantischen, gediegenen Idealismus-Gespräch vereinen dürften..
Wer eine Neigung für warme, düstere Rockklänge hat und gleichzeitig ein Ohr für aussagekräftige, charismatische Stimmen und große Rocksongs ohne aufgetragenen Pathos kommt an dieser Band überhaupt nicht vorbei: Blind zugreifen. Fans von The National, Elbow, Death Cab For Cutie oder Klangliebhaber britischer Post-Punk Bands kommen sowieso auf ihre Kosten, aber auch der melodische Hörer der leisen Töne wird sich durch das subtile Songwriting in den Bann gezogen fühlen, am Ende bleibt ein verzweifelter wie hochmotivierter Aufruf: Wer offen genug dafür ist, den lässt es vielleicht nie mehr los - und das Fazit für die Begriffsstutzigen: alles andere als etwas für den Hintergrund. Das passende Label wird sich unweigerlich auch noch finden.




