Portugal. The Man American Ghetto
Bewertung: 11/12 Artistprofil von Portugal. The ManAmerican Ghetto. Hört man diese Kombination, denkt man zuerst an ein gesellschaftkritisches Album. Aber der Schein trügt, schon beim letztes Album “The Satanic Satanist” war der Name Ironie, war es doch das wohl fröhlichste Album des letztes Jahres.
American Ghetto handelt von Jugend, Freunden, dem Leben an sich. “So we had ourselves a time.” singt John B. Gourley im Opener “The Dead Dog”. Es handelt sich bei diesem Namen übrigens um keinen “toten Hund”, wie man meinen möchte, sondern um eine Bar, in der sich der junge Gourley mit seinen Freunden traf.
Das Album dreht sich um Gemeinschaft. “Spread the love” ist das Stichwort. Daher gibt es das Album vorerst nur als Download, deutlich später (11. Mai) auch als limiterte CD (16.000 Stück) und in unlimitiertem Vinyl. Das ist neu, das ist für CD-Liebhaber traurig, aber es ist auch konsequent. Dieses Album haben sie komplett selbst finanziert und zeigen damit der sterbenden Musikindustrie, dass es auch ohne geht.
Man erkennt deutlich jedes vorherige Album in diesem Album. “The Pushers Party” kommt mit “Church Mouth”-Rhythmus daher. “Brake” erinnert an die EP “It’s Complicated Being A Wizard Complicated”, “60 Years” knüpft an “The Satanic Satanist” an, “1000 Years” kehrt zum Erstling “Waiter: “You Vultures!”" zurück und “Some Men” weckt Erinnerungen an “Censored Colors”.
American Ghetto ist poppig, “When The War Ends” und “All My People” schreien gradezu danach in einer trendigen Apple-Werbung verwurstet zu werden, sind aber Perlen. Das macht den Unterschied zu den meisten Bands: Portugal. The Man klingen vielleicht poppig und sind eingängig, aber einmal drin, gehen sie einem nicht mehr aus dem Kopf und wachsen zu Höchstform heran.
Die versprochene Samples und Loops sind natürlich auch da und runden das Gesamtpaket ab. Es eckt nicht an, die Dreiminüter kuscheln sich in das Ohr und bleiben einfach da. Das Markenzeichen der Band, die Goldkehle des John B. Gourley ist perfekt und mit viel Unterstützung von Zoe Manville werden die großartigen Texte vermittelt.
Schon ohne Musik ist “1000 Years” eines der herausragenden Stücke des Albums: “We’ll wait one-thousand years until the end of time. We’ll wait one-thousand more dressed up in gold and white. We’ll climb the mountain sides to find whats in the sky. We’ll dig through mountain sides to find what’s deep inside.” Gefühltermaßen in jedem Album der fünf kommt das Wort “mountain” vor, was typisch Portugal. The Man ist. Metaphorik ist ihre Stärke und das, was sie so besonders macht.
Die Beats dieses Albums sind deutlich einfacher als bei vorherigen Alben und die Rythmen nähern sich immer weiter denen des Hip-Hop an, was aber ins Gesamtbild passt.
Letzlich kann man sagen, dass Portugal. The Man die Erwartungen vollstens Erfüllen. An “The Satanic Satanist” reicht dieses Meisterwerk nicht heran, aber es zeigt, dass sie auf dem besten Weg sind. Diese Band verdient mehr Beachtung. Portugal. The Man sind die Beatles des 21. Jahrhunderts und gehen noch weiter.



