szmtag
28.12.2009 Autor: Qeuela

Old Canes viele köche verderben den brei? kommt auf den küchenchef an...

viele köche verderben den brei? kommt auf den küchenchef an... Bewertung: 10/12
Artistprofil von Old Canes

von der fachpresse kaum beachtet, geben die old canes mit “feral harmonic” ein kleines musikalisches meisterwerk ab, dass nur so vor ehrlichkeit und gefühl strotzt. zunächst stellt sich allerdings die frage, ob die old canes überhaupt einem bestimmten artikel gerecht werden, wo es sich doch eher um eine art kollektiv von musikern handelt, welches sich nach gut dünken um den appleseed cast frontmann christopher crisci schart, um in aller bester patchwork-manier der kreativität freien lauf zu lassen. passend dazu gehen die "alten zuckerrohre" für gewöhnlich als trio auf tour, in dem der einzige fixpunkt christopher crisci ist - die restliche besetzung hängt davon ab, wer gerade lust bzw. zeit hat. unter diesem gesichtspunkt und mit dem wissen, dass alle musiker hauptsächlich bei anderen bands spielen (wie z. b. the casket lottery und minus story, um nur zwei namen zu nennen), ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass von beginn der aufnahmen bis zur veröffentlichung des fertigen albums schlappe vier jahre verstrichen sind, die sich jedoch mehr als gelohnt haben. der sound von “feral harmonic” ist wunderbar lofi und verleiht dem album einen charme, der der guten alten folk-zeit mehr als gerecht wird und die meisten modernen produktionen in sachen authentizität klar in den schatten stellt. die kompositionen überzeugen mit einer angenehm ausgeglichenen präsenz und dichte der einzelnen instrumente. die gitarre tut ihre schuldigkeit als formgebendes element, während das schlagzeug im hintergrund poltert und fleißig akzente setzt. trompete, cello, mundharmonika und allerhand glocken und geklimper fügen sich sehr organisch in die harmonien ein und wirken niemals aufdringlich oder überflüssig. zwischen alle dem wandelt christopher criscis gefühlvolle stimme und nimmt uns mit hinaus in eine welt, in der nicht nur die sonne scheint, in der es aber auch nicht pausenlos regnet. crisci findet in seinen texten erstaunlich einfache, aber dennoch bewegende formulierungen. examplarisch hierfür die textzeile "this is for all of the times we've had / you were dancing and i was sad". obwohl das nur zwei sätze sind, entsteht sofort eine autobiographische bildergalerie im kopf, die uns mit auf eine reise durch allerhand innerer befindlichkeiten nimmt. zurück von diesem trip, steht man am ende vor vierzig minuten viel zu schnell verfliegender, wirklich guter musik, die prädestiniert dazu ist, alleine genossen zu werden.

Plattenkritik schreiben