25.03.2016 Autor: Defender81 1

Deafheaven: Köln - Gebäude 9 (23.03.2016)

Das Gebäude 9 ist ausverkauft, bietet aber trotzdem allen Besuchern genügend Freiraum. Lediglich der nadelöhrgroße Zugang von der Bar zur eigentlichen Konzerthalle verspricht etwas Klaustrophobie. Das Publikum ist eine angenehme Mischung aus Deathwish-Records-Hörern sowie Kutten- und Schnörkelschriftbandnamen-Trägern. Ob nun in Sneakern oder Stiefeln – Schwarz tragen letztlich alle. Abgesehen vielleicht von den Wenigen, die sich an das weiße Bandshirt am Stand gewagt hatten. Pünktlich um halb neun Abends betreten eine Handvoll dreckig geschminkter Gestalten die Bühne. Das Myrkur-Logo auf dem Backdrop verbreitet eine etwas hexenartige Stimmung, der aus einem gegabelten Ast bestehende Mikrofon-Ständer unterstreicht die Assoziation. Sängerin Amalie Bruun lässt es im Gegensatz zu ihren Mitmusikern ruhig angehen. Was schade ist. Denn der eigentlich Star des Deafheaven-Supports – Bruuns fantastische Stimme – ist unter dem Gewitter aus Schlagzeug, Bass und Gitarre oft nur sehr schwer rauszuhören. Das Myrkur mehr als wütendes Gekeife und schönere Bandshirts als der Hauptact bietet, beweist Bruun vor allem in den cleanen Passagen ihrer Stücke. Was ihr letztlich auch den verdienten Applaus einbringt. Pause. Das konzerttypische Zwischenspiel beginnt, Bier wird weggetragen und nachgefüllt, Eukalyptusbonbons verteilt. Deafheavens Musiker betreten nach und nach die Bühne und spielen den Tanz des vorgestimmte Instrumente Nachstimmens. Das einsetzende Glockengeläut lässt es bereits erahnen, die Bestätigung kommt von Sänger George Clarke. Mit den Worten "We are Deafheaven and this is brought to the water" läutet er seinen Auftritt ein und gibt gleich die Marschrichtung vor: New Bermuda steht auf dem Programm. Der Sound ist großartig, lediglich Clarke muss wie schon Bruun zuvor etwas lauter geregelt werden. Auf den grandiosen Opener folgt nach kurzer Ansage das nicht minder fantastische "Luna". Der längsten Songs aus dem aktuellen Albums bricht wild mit einem Trash-Gewitter auf die Besucher los, Clarke keift und wirft seine schweißnassen Haare zum Schlagzeugarmageddon von Daniel Tracy. Der facettenreiche Song endet im ruhigen Outro, der ein oder andere im Publikum schließt mit aufgerissenen Augen die Kinnlade und verschafft seinen Gefühlen spätestens jetzt durch anhaltenden Applaus etwas Luft. Der Tracklist von New Bermuda folgend eröffnet Deafheaven "baby blue". Das ruhige, sich über Minuten aufbauende Gitarrenspiel schiebt den Atmospäre-Regel auf Anschlag. Die Erlösung der zum bersten gefüllten Melancholie entlädt sich schließlich im Höhepunkt von Song und Album durch Clarkes Geschrei und das geniale Solo von Kerry McCoy. Es folgen "come back" und "gifts for the earth", das Album ist komplett. Lediglich zur Zugabe legen Deafheaven noch mal mit "dream house" nach. "Ich kenn eigentlich nur die sun bather", sagte ein Besucher vor dem Eingang. Nun kennt er auch New Bermuda und wird nach diesem überzeugenden Auftritt mit Sicherheit nicht enttäuscht sein.

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Kommentare (1)

Avatar von antep# antep# 18.04.2016 | 21:37

I wish you all the best with your hearing issues and future ventures.

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