09.04.2014 Autor: SaraEdge 0

Casper: Köln - Lanxess Arena (03.04.2014)

Benjamin Griffey erweist uns wieder die Ehre in Köln. Der König der Melancholie lädt diesmal in die LANXESS-Arena - und tausende Fans folgen seinem Ruf. Die Großleinwände übertragen einen gerührten, einen sprachlosen Casper. Er blickt ungläubig auf sein Publikum, dessen Größe sich in den letzten Jahren verändert hat. „Das Underground, die Live-Music-Hall und das Gloria…“, zählt er Kölner Locations auf, in denen er damals gespielt hat. Dabei gehen immer wieder Hände hoch, Fans bekunden damit, dass sie schon dabei waren, als Casper noch ein Geheimtipp, ja ein richtiger Underground-Rapper war. Heute abend füllt er die größte Arena Deutschlands.
Von dem 11-jährigen Schulmädchen, das mit Mama anreist bis zum coolen Hipsterkind mit dem Casper-Jutebeutel – er begrüßt sie alle und lädt zum Feiern ein. Er macht keinen Unterschied zwischen langjährigem Fan und dem Casper- Neuling, der gerade sein erstes Konzert erlebt. In dieser Halle ist keiner allein. Selten schafft es ein Künstler eine solch intensive Atmosphäre zu schaffen, wenn er vor mehr als 10.000 Menschen steht. Die Eröffnung erfolgt mit „Im Ascheregen“, welches auf dem neuen Album „Hinterland“ zu finden ist. Der melancholische Emo-Rapper erweist sich hier als energiegeladener Stimmungsmacher. Er bringt die Halle zum Beben. Alle auf den Sitzplätzen sollen sich erheben. Meister Casper hat gesprochen – und die Fans gehorchen ihm aufs Wort. Emotional wird es, als „Michael X“ angestimmt wird, ein Lied über den Verlust eines Freundes. Die Feuerzeuge werden ausgepackt und es entsteht ein atemberaubendes Lichtermeer, welches in Kombination mit Caspers kratziger, heiser klingenden Stimme, zahlreiche Fans zu Tränen rührt. Fast drei Stunden gibt der Herr der deutschen Rap-Poesie Vollgas. Drei Stunden Rap, Liebe und die besten Menschen überhaupt vereint. An dieser Stelle muss man auch die Leute loben, die sonst eher in Caspers Schatten stehen. Seine Band, welche aus jungen, talentierten Musikern besteht, verdient genauso viel Respekt wie der Mann im Rampenlicht.
Bei der ganzen Euphorie, um den Hauptact, geht die Vorband fast unter. Schon vor der Halle rätselten Fans stundenlang, wer denn der „Special Guest“ sein könne, welcher von Casper geheimnisvoll angekündigt wurde. Marteria und Kraftklub waren ganz oben dabei , doch falsch gedacht. Ziemlich laut und ziemlich Gangster-Rap ähnlich betreten K.I.Z die Bühne und sollen dem Kölner Publikum ordentlich einheizen. Allerdings springt der Funke irgendwie nicht über. Nun ja, kaum verwunderlich , wenn man bedenkt, dass Zeilen wie „Du Hurensohn, ich mache Party auf deinem Grab! Jeder im Club guckt nur auf mich denn ich brüll rum wie bekloppt!“ nicht unbedingt zum Musik-Repertoire eines 15-jährigen Casper-Fangirls gehören.
Dennoch verlassen alle komplett verschwitzt die Halle – ein gutes Zeichen - und die Verkäufer am Merch-Stand haben noch einige Zeit alle Hände voll zu tun – ebenfalls ein gutes Zeichen. Mit diesem Abend hat Casper bewiesen, dass er in der Lage ist, ein großes Publikum an die Hand zu nehmen und und es in seine melancholische, verträumte und einfach echte Welt entführen kann, ohne Intensität sowie Intimität vermissen zu lassen.

Fotos

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