Ray Manzarek & Robby Krieger of The Doors: Tilburg (NL) - 013 (16.07.2011)
Welche Relevanz hat es, wenn 50 Prozent der Doors 40 Jahre nach dem Tod von Jim Morrison auf Tour gehen? Ohne ihren Schlagzeuger John Densmore, der nicht möchte, dass Organist Ray Manzarek und Gitarrist Robby Krieger als „The Doors“ auftreten und deswegen sogar vor mehreren Jahren eine Klage in den USA angestrengt und gewonnen hat? Ihr Konzert im holländischen Tilburg bewies: Es hat eine Relevanz.Da ist zum einen die Spielfreude eines Ray Manzarek. Der Mann ist inzwischen 72, sieht aber aus wie 52 und spielt Orgel wie mit 32. Er liebt es, Musik zu machen. Er liebt es aufzutreten. Er liebt die Show auf der Bühne. Schwer vorstellbar, dass er alt ist und noch immer das Geld braucht.
Der introvertierte und sieben Jahre jüngere Robby Krieger steht ihm in nichts nach: Wenn er zum Solo ansetzt, klingt er so gut wie auf den alten Platten. Die Haare sind grau geworden wie beim Manzarek, ein paar Falten sind dazu gekommen. Aber die Spielfreude ist jung geblieben wie sein Intro zu „Spanish Caravan“ zeigt. Oder sein Solo bei „Light my fire“ mit einem Zitat des Jazz-Standards „My favorite things“.
In der Musik der Doors klang immer die Liebe zum Jazz mit durch. Die Lust an der Improvisation und die Jazz-Rhythmen des Schlagzeugers. Und wenn das Konzert in Tilburg eins gezeigt hat: Dieser Rockschlagzeuger, der den Jazz liebt, oder dieser Jazzschlagzeuger, der den Rock liebt, macht neben Manzareks Orgelsound, Morrisons Gesang und Kriegers Soli den einzigartigen Sound dieser Band aus.
Mag Krieger mit seiner zurückhaltenden Art auf der Bühne auch eher an einen Bassisten erinnern, die Hosen, die er während der aktuellen Tour trägt, sind Jim-Morrison-würdig. Nein, er trägt keine schwarzen Lederhosen, aber dieses bunte Ding, das an seinen dünnen Beinen schlackert, gleicht einer Provokation wie sie Jim Morrison immer geliebt hat.
Es halten sich bis heute hartnäckig Gerüchte, dass der vor 40 Jahren in Paris gestorbene Morrison sich als Mr. Mojo Risin' noch irgendwo herumtreibt, zumindest seine Stimme scheint dank der fleißigen Suche von Manzarek und Krieger mehrfach wiedergeboren zu sein. Dave Brock heißt dieses Mal der Sänger, der auf der Tour singt und (fast) so klingt wie Morrison. Und auch (fast) so aussieht. Nur ohne Alkohol, ohne Drogen, ohne Sex, ohne Beleidigung des Publikums.
Um nicht falsch verstanden zu werden: Dave Brock macht einen guten Job. Im Gegensatz zum soliden Schlagzeuger Ty Dennis und zum ebenso soliden Bassisten Phil Chen ist er zwischen Manzarek und Krieger der einzige der drei Neuen, der im Mittelpunkt steht. Aber gerade bei einem Song wie „When the music's over“, der auch von seiner Spannung in den ruhigen Passagen und den vielen Pausen lebt, ist zu spüren, was da fehlt: die Unberechenbarkeit eines Morrison. Dieses Nicht-Wissen: Was stellt er heute an, was hat er sich heute ausgedacht, um zu verblüffen oder zu schockieren?
Der Abend war laut Manzarek zwar der Veröffentlichung von „L.A. Woman“ vor 40 Jahren gewidmet. Aber Songs wie „L.A. Woman“ und „Riders on the storm“ gehören ohnehin zum Pflichtprogramm eines Doors-Konzerts. Also blieben noch „The changeling“ und „Hyacinth House“ als Erinnerung an das letzte und vielleicht beste Album der Doors mit Jim Morrison.
Waren „L.A. Woman“ und natürlich „Light my fire“ als letzte Zugabe viel umjubelte und lautstark mitgesungene Songs beim Konzert in Tilburg, überraschte die Band vor allem mit den zwei aus „Waiting for the sun“ gespielten Songs: „Not to touch the earth“ und „Spanish Caravan“. Das war so brillant und so intensiv, das kam den Original-Doors so verdammt nahe, dass man sich noch zumindest „Five to one“ und „Summer's almost gone“ gewünscht hätte. Dafür hätten sie an diesem Abend gern auf „Touch me“ verzichten können.
Zum Schluss der einzige große Kritikpunkt dieses guten und stellenweise begeisternden Konzerts: die Dramaturgie der Setlist. Es war ein manchmal wildes Umherhüpfen zwischen den sechs Alben. Dabei geben die Alben der Doors doch die perfekte Dramaturgie eines gelebten Lebens vor: Die Sturm- und Drang-Phase der ersten beiden Alben. Der Versuch, neue Wege zu gehen, der mit dem dritten Album unvollendet bleibt und mit dem vierten Album scheitert. Und die letzten beiden Alben mit ihrer Rückbesinnung auf den Blues. Desillusionierung. Melancholie und ein Abschied, der endgültig sein sollte.
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