Beatsteaks: Frankfurt - Jahrhunderthalle (09.03.2011)
BOOM Jour!Eines sollte ich vielleicht vorwegnehmen:
Seit ich 2007 während eines Trips nach Oslo in einen leicht verranzten Schuppen namens Garage gestolpert bin, eine halbe Stunde später neben dem Basser der Beatsteaks ein überteuertes Bierchen getrunken und für 10 Euro einen Abend neben 60 anderen Menschen mit einer armlänge Abstand zum Sänger verhüpft habe - steht mein allerübergenialstestes Konzert-Erlebnis für dieses Leben wohl fest. Aber nun zum eigentlichen Thema:
Was die Herren Rhythmus-Schnitzel da gestern in der Jahrhunderthalle Frankfurt abgeliefert haben, das war schon amtlich! Als Vorband und Warm-Upper spielten die mir bis dato unbekannten Newcomer Kraftklub auf, mit einem interessanten Mix aus treibenden, an The Hives erinnernden Gitarrenriffs und deutschsprachigen Texten mit Rap-Einschlag. Songs wie "Zu Jung" (für Rock'n'Roll) und - im Hinblick auf den Headliner ein kleiner ironischer Seitenhieb - "Ich will nicht nach Berlin", machten Spaß und haben definitiv Potential, wenn auch manchmal einen Hauch zu cool. Aber die Jungs heizten an, die ausverkaufte Jahrhunderthalle folgte und belohnte.
Doch was Armin Teutoburg-Weiß nach einer kurzen Pause mit einem simplen: "AUSRASTEN!!" bei mehreren tausend Menschen auszulösen vermochte, spielte immer noch auf einem ganz anderen Planeten! Bereits als das Rocky Balboa-Intro aus den Lautsprechern tönte, gab es im Publikum kein Halten mehr. Hello Joe eröffnete dann den fröhlichen Reigen der Beat-Hits, welcher erst zwei Stunden später mit I don't care as long as you sing endete, gefeiert und besprungen von schwitzenden geilen Typen und euphorisch wirbelnden geile Ollen (Bezeichnungen von Sänger übernommen).
Neben den Charterfolgen wurde die Setlist gespickt mit vielen Songs des neuen Albums Boom Box, Urgesteinbrettern wie Frieda und die Bomben (mit dem knallrotbekopft-kreischenden Bernd Kurtzke am Gesang) und reduzierten Solo-Nummern wie Hey Du (Du bist schön auch wenn Du weinst) - Peter Baumanns Interpretation des 'Linie 1'-Musicalhits aus den 80ern.
Ja, da wurde eine abwechslungsreiche Show geboten. Immer wieder angereichert von sympathischen Zwischengelaber aller Bandmitglieder, allen voran natürlich von Sympathieflummi Armin "IckhabnenhübschesHütchen" himself (Ich will auch so ne Sammlung!!). Im Stil von High Fidelity kann ich meine Top 5 der besten Momente dieses Gigs folgendermaßen zusammenfassen:
Platz 5: "Frankfuuurt, ihr seid ja krass - was gehtn hier ab??!"
Platz 4: Bernd & Peters Zwischenspiel vor Automatic
Platz 3: Armin unterbricht eine Strophe mit dem Hinweis: "Ey, ick hab voll verkackt!"
Platz 2: Peter spielt Seven Nation Army von den White Stripes an. Der ganze Saal singt. Armin kommentiert: "Spiel nie Songs an, die besser sind als deine eigenen!"
Platz 1: Armins Salto(!)-Stagedive in die Menge.
Wer bewegte Eindrücke bevorzugt, nutze die Erzeugnisse der Youtube-Mitfilmer-Generation, beispielsweise Let me in (das gesamte Publikum geht in die Knie und lässt die Hütte beben), das erwähnte Hey Du oder Shiny Shoes.
Bleibt zu fragen: Kannst Du bei den Beatsteaks ruhig sitzen bleiben?
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