Wir Sind Helden: Berlin - Lido (04.08.2010)
War natürlich nicht so richtig schwer zu erfahren, wer hinter Wo sind Helmet steht. Die Initialien sind gleich und der Deckname wurde auch schon früher für Warm-Up-Shows benutzt. Einmal googeln und der Verdacht bestätigt sich. Wir sind Helden gewöhnen sich bei einer „öffentlichen Probe“, wie Judith Holofernes den Abend in Berlin nennt, erst einmal wieder daran, wie es sich anfühlt, auf einer Bühne für fremde Leute Musik machen, bevor es auf die großen Festivals geht.Im Rahmen der Geburtstagsparty für ihre Konzertagentur feiern sie im ausverkauften Lido ihr Live-Comeback nach zwei Jahren Pause. In der Zwischenzeit sind Kinder geboren worden und gewachsen, wurden Instrumente erlernt und Songs geschrieben. Das neue Album Bring mich nach Hause erscheint am 27. August. Von dem neuen Material gibt es in Berlin ganze acht Songs. Darunter Opener und Zugaben. Das ist mutig.
Nach dem altgedienten Nikko Weidemann und dem nicht enden wollenden Indie-Rock von Herrenmagazin betreten die vier Helden, bewaffnet mit Akkordeon und Akustik-Gitarre, unterstützt von zwei Multiinstrumentalisten (auf die fast schon gewohnten Bläser verzichtet man leider), die Bühne. Akustisch wird es noch häufiger an diesem Abend, mit dem zweiten Stück Von hier an blind scheint auch das Publikum zu erwachen. Wirklich euphorisch wird es aber leider nie. Man hat den Eindruck, dass nur die Hälfte zu den Fans der Band zählt. Der Rest hat entweder seine Kontakte spielen lassen oder sein Lächeln zu Hause vergessen.
Jene, auf die es ankommt, freut der Abend aber augenscheinlich sehr. Judith bedankt sich ganz am Schluss übers ganze Gesicht lächelnd, dass „genau sowas hier“ der Grund sei, warum sie „das“ machen. Also auf Bühnen stehen und munter die Instrumente wechseln zum Beispiel. Mark Tavassol spielt nun öfter Gitarre als Bass, aber auch immer mal wieder Banjo. Jean-Michel Tourette fühlt sich nach wie vor sowohl mit der Gitarre als auch am Keyboard wohl, das Akkordeon übernimmt er auch. Die Frontfrau spielt deutlich seltener Gitarre, hat dafür aber mehr Zeit und Freiraum um sympatisch ungelenk zu tanzen und singt schön mit ordentlich Schlafzimmerblick in der Stimme.
Unter den neuen Stücken ragen eine tanzbare Up-Tempo-Nummer mit immer wiederkehrenden „5 vor 12″-Refrain und die Vorab-Single Alles heraus. In den Zugaben hat sich noch eine single-verdächtige Ballade versteckt. Generell scheint das neue Material aber balladenlastig und vor allem mit akustischen Instrumenten eingespielt zu sein. Der Titeltrack Bring mich nach Hause, eine dunkle Ballade, wirkt wie ein passender Namensgeber. So richtig wird sich das aber erst mit der Platte in der Hand beurteilen lassen.
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