I Am Kloot: Berlin - Admiralspalast (Studio) (21.07.2010)
Es gibt ja solche Bands, deren Namen einem geläufig sind, weil sie immer wieder fallen und doch kennt man sie nicht. Aber gerade weil mir der Name I Am Kloot geläufig war, habe ich einfach mal teilgenommen an der Verlosung von [PIAS] Germany, bei der man Tickets für ein I Am Kloot Radiokonzert gewinnen konnte. Und tadaa – Mittwoch Abend also die großen britischen Unbekannten im Studio des Admiralspalastes anschauen.Das exklusive Konzert für radio eins ist – natürlich – eine Promo-Aktion. Sky At Night heißt das neue Album, das am 16. Juli im deutschsprachigen Raum erschienen ist und für radio eins wollen die drei Männer aus Manchester zum ersten Mal das komplette Werk in voller Länge und gleicher Reihenfolge aufführen, darunter ein paar Songs, die noch nie live gespielt wurden – eine gute Idee, das live im Radio zu tun, wie Sänger John Bramwell zu Beginn des Konzerts ironisch bemerkt.
Abgesehen von dem einen oder anderen Nachstimmen und Nachziehen einiger Potis an seinem Gitarrenverstärker klappt aber alles unfallfrei. Die drei werden für die Album-Songs von drei Begleitmusikern unterstützt, auf die sich Keyboard, E-Gitarre, Trompete, Querflöte sowie Alt- und Basssaxofon verteilen. Bramwell dominiert das Bühnenbild, er spielt mit Ausnahme des letzten Songs akustisch, den Korpus der Gitarre unter den Arm geklemmt, ohne Gurt, das rechte Bein auf einen Getränkekasten gestellt. Wie er so da steht, strahlt er trotz seines nicht mehr ganz jugendlichen Alters eine bemerkenswerte Coolness aus.
Nicht zuletzt dieses Alter jenseits der Vierzig verleiht den Songs ihre ausgesprochen hohe Authentizität. Bromwell singt von „love and disaster“ – so kündigt er mehrere Songs an – und die knorrige Kehle, durch die zeit seines Lebens vermutlich mehr Whiskey geflossen ist, als Ärzte für gesund halten würden, tönt so, als sei kein Wort erfunden, sondern jedes einzelne erlebt. Der zwangsläufig melancholische Tonfall geht mit Klängen einher, die die neuen Songs mal zu Songwriter-Stücken und mal zu Blues-Rock-Nummern machen.
Auch wenn Bromwell akustisch spielt, erklingt bei härterem Strumming leichte Verzerrung, was dem Band-Sound zu Gute kommt, der, nebenbei bemerkt, Label-Kollegin Agnes Obel im Vorprogramm so nicht gewogen ist. Die mit Cello und Keyboard ruhig instrumentierten Stücke der Liedermacherin kämpfen mit einem hohen Grundrauschen und einer knasternden Box. Damit haben I Am Kloot keine Probleme. Das eigentliche Konzert beschließen sie nach rund 70 Minuten, bevor sie zur Zugabe wiederkommen, mit einem tollen letzten Song: Someone Like You hat sich mir in den Gehörgang gebrannt.
Links zu Audios und Videos sowie aktuelle Tourdaten findet ihr hier.
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