szmtag
21.07.2010 Autor: Red_Bose

Billy Talent: Kiel - Max (30.06.2010)

Billy Talent wieder in einem kleinen Club sehen. Was sich wie eine Zeitreise anhört, wurde am 30. Juni in Kiel möglich. Maximal 500 Menschen passen in die Location, die Karten waren bereits nach 4 Tagen ausverkauft. Ich Glücklicher konnte mir mit Adleraugen eine letzte Karte vor der Halle erstehen, Glück muss man eben haben.
Um 19 Uhr beginnt der Einlass für die Teilweise schon seit 14 Uhr wartenden Fans. Das Konzertpublikum spaltet sich in 2 Gruppen, eine schaut sich das Konzert von den passend geschmückten Rängen aus an, die andere bleibt unten in dem bis an die Belastungsgrenze gefüllten Kieler Max. Die Zeit vergeht nicht wirklich schnell, eine Vorband gibt es nicht, auch wenn sich dieses Gerücht hartnäckig in der Menge hält. Es dauert bis 20:30 bis die allzu bekannten Gesichter die Bühne stürmen und die Menge mit "Line and Sinker" zum Ausrasten bringen. Die Innentemperatur steigt schlagartig an, die Menge reibt sich aneinander. Billy Talent spielen ein Hit nach dem anderen, wobei es den Fans gelingt, die Band in den Refrains zu übertönen. Die Stimmung kocht bei Lieder wie "Try Honesty" oder "Fallen Leaves" über, ebenso wie die Temperatur. Shouter Benjamin Kowalewicz schmeißt daher unentwegt Eiswürfel in die Menge, die sehr dankbar aufgenommen werden. Dennoch sieht man während des Konzerts sehr oft Fans den Saal oder zumindest den Platz vor der Bühne verlassen, um ein wenig frische Luft zu schnappen. Zum Glück bietet das Programm von Billy Talent auch ruhigere Nummern wie "Surrender" an, die zwar laut mitgesungen, aber ohne Bewegung genossen werden.
Die Kraft schwindet merkbar im klatschnassen Publikum, doch Billy Talent´s Livequalitäten zwingen die Masse zur Bewegung und bringen sie mit "Red Flag" ein letztes Mal zur völliger Ekstase, trotz mehr als 50°C Raumtemperatur. Mit dem typischen Countdown (And one-oh-oh-oh And two-oh-oh...) wird der letzte Song des Abends zelebriert. Das Publikum antwortet mit einem Circlepit, dann setzt der Refrain ein: Niemand der die Lyrics nicht beherrschen würde. Mit noch mehr Eiswürfeln und ein paar Drumsticks verabschiedet sich die Band um 22 Uhr. Die Erleichterung aus der "nassen Hölle" Max zu entkommen überwiegt nur knapp der Enttäuschung, wie schnell 90 Minuten um sein können. Der Merchandisestand macht an diesem Abend Spitzenumsätze: Einerseits wegen der Großartigkeit der kanadischen Band, andererseits wollen viele Fans auch einfach nur aus ihren nassen Klamotten.
Die letzte Impression des Abends: 30 Fans, die ihre T-Shirts draußen auswringen und so eine große "Rock n´ Roll-Pfütze" bilden.

alle Konzertkritiken aus der CommunityKonzertkritik schreiben