Donots: Berlin - Frannz Club (02.06.2010)
Berlin, zweiter Akt: Nach dem ausverkauften Lido bespielen die Donots also nun den wesentlich kleineren Frannz Club mit einer Zusatzshow. Und es gibt sogar noch Tickets, als die Ibbenbürener kurz nach Neun loslegen. Eins vorneweg: Ich bin nie großer Fan der Band gewesen, zu sehr auf „teenage riot“ getrimmt schien mir immer We’re not gonna take it. So sehr, dass der Rest bei mir keine große Beachtung fand. Dann vor zwei Jahren auf einmal eine Single: Stop the Clocks. Das klang auf einmal so „erwachsen“. Muss wohl ein Ausrutscher sein.In diesem Jahr dann also einen Ohrwurm namens Calling als Album-Teaser veröffentlicht und die Airplay-Charts damit gefühlte acht Monate dominiert. Forever Ends Today als zweite Single. Schon wieder eine Nummer, die so wenig teenage-riot-mäßig daherkommt wie ein überlegtes, ernstes Gespräch bei einem Bier am Nachmittag – im besten Sinn. Spätestens jetzt war das Album-Hören Pflicht und das erwies sich als gute Einstimmung auf den Abend. Schließlich finden geschätzte 80% des Materials ihren Weg ins Live-Set. Und keine Spur von Euphorie-Abbruch im Publikum, wenn die neuen Songs angestimmt werden.
Überhaupt die Euphorie – schon bemerkenswert, wie sehr die vorderen Reihen die Band abfeiern. Sänger Ingo surft nach Belieben durch den ganzen Club und steht während der Zugabe überlebensgroß auf diversen Händen und Schultern mitten in der Menge. Mitsingen hört man sowieso alle, deren Stimmbänder noch nicht wundgebrüllt sind. Und den Metallica-Freund freut, dass sie das Ende des Konzertes mit einem adaptierten Sad But True Intro markieren.
Letztlich überzeugen die Jungs also auch den einen oder anderen Skeptiker (= mich), es bleiben nur zwei Fragen offen: Wann sagt jemand Ingo, dass er zu jung ist, um Bundespräsident zu werden? Schließlich reklamiert er den Posten das mehr als einmal für sich. Und: Wird Guidos Gitarre die Tour überleben? Es scheint nämlich, als würde alle paar Sekunden der Teufel in den freundlich lächelnden dunkelhaarigen Typen stoßen. Dann reißt er die Gitarre mit einer Wucht herum, dass sie den Namen „Axt“ wirklich verdient und mehr als einmal muss man befürchten, dass Teile wie Stimmwirbel in sensiblen Bereichen wie Augenhöhlen, Nasen oder Kiefern seiner Bandkollegen landen. Vielleicht müsste die zweite Frage also auch einfach lauten: Werden Guidos Bandkollegen dessen Derwisch-Runs unbeschadet überstehen? Hinweise werden dankend entgegengenommen.
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