szmtag
02.12.2009 Autor: thegauntlet

Tegan And Sara: Köln - E-werk (28.11.2009)

Ein wenig deplatziert fühlt man sich als männlicher Hetero, dem die 2 vor der Altersangabe inzwischen abhanden gekommen ist, schon beim Eintritt ins Kölner E-Werk. Dass der Publikumsanteil lesbischer Fans hoch sein würde, war zu erwarten. Dass aber gefühlte 90% der Anwesenden (rein optisch betrachtet, denn wer weiß das schon?) wie Tegan und Sara ticken ist dann doch eine ganz schöne Überraschung. Aber um es mit den Worten von Jerry Seinfeld auszudrücken: Nicht, dass dagegen was zu sagen wäre!

Wie dem auch sei, Punkt 20 Uhr stürmt ein junger blonder Mann mit Schlips und Laptop die Bühne, schließt ihn an, woraufhin elektronische Töne ins ziemlich volle E-Werk pluckern, und stellt sich als Astronautalis vor. Was folgt sind 30 der unterhaltsamsten Vorband-Minuten die ich je erlebt habe. Sind die Strophen noch relativ konventionell, wenn auch halsbrecherisch schnell rerappt, schwingen sich die meisten Songs beim Refrain zu Tom-Waits-schen Whiskey-melodien auf, dass es eine reine Freude ist. Besonders klasse auch: die An-und Absagen des jungen Herrn. "This song was about making out, the next song is about blackmailing everyone at work until you own the place. Oh and you all have very nice hairdos." Fantastisch. Nicht alle im Publikum kommen da wohl mit, eventuell auch aus Gründe der Sprachbarriere, aber wer versteht und den Humor teilt, kriegt sich nicht mehr ein vor Grinsen. Zu allem Überfluß erweist sich Astronautalis später am Merch Stand als extrem netter Kerl, der mit seinem herrlich ätzenden Bühnen-Alter-Ego wenig gemein hat und dem man gerne ein paar CDs abkauft.

Ach ja, Tegan und Sara kamen dann ja auch noch. Und eh man sich versieht ist man mittendrin in ihrem kleinen Kosmus aus schmissigen 3-Minuten-Indie-Knallern, die sie einen nach dem anderen aus dem Ärmel schütteln, als wäre es das Einfachste auf der Welt. Dazwischen wird sich höflich für den lauten Applaus bedankt und auch mal die ein oder andere amüsante Anekdote aus der Kindheit der Zwillinge an den Mann bzw die Frau gebracht. So vergehen die 100 Minuten wie im Fluge, neue Songs wie "Hell", von denen manche etwas elektronischer ausfallen als vielleicht gewohnt, reihen sich problemlos in die Reihen solcher Kracher wie "The Con", "19" oder "Where does the good go" ein. Das Publikum kennt sie eh alle bereits, obwohl das Album "Sainthood" hier erst im Januar erscheint. Und am Ende ist auch die sexuelle Ausrichtung der Anwesenden schnurz, hier hat jeder ne Menge Spaß. Zugaben mögen Tegan und Sara nicht, sie bleiben einfach auf der Bühne und erklären die letzten drei Songs zum Encore. Und mit Gemälden bewerfen sollte man sie nicht, da kriegen sie ein wenig Angst. Sympathisch.

So geht ein sehr unterhaltsamer Abend dann doch viel zu schnell zu Ende.

alle Konzertkritiken aus der CommunityKonzertkritik schreiben