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Mando Diao - Der Backstage-Blues

Autor: Carsten Schumacher aus VISIONS Nr. 162 Storys Archiv
Mando DiaoSie galten immer als geschlossener Kreis. Ein verschworenes Grüppchen, undurchdringbar, sich selbst genug. Wegen ihrer Jugend immer im Recht, bei den markigen Sprüchen weit vorne und mit leichtem Komplex, was ihre provinzielle Herkunft betrifft. Beim letzten Mal, backstage auf den VISIONS-Festivals, sprachen wir genau in der Umgebung, die sie heute als "Ochrasy" bezeichnen. Diesmal begleiten wir sie nach Hause in das kleine Städtchen Borlänge: zurück in die Welt der weiß gestrichenen Gartenzäune, die freudig hüpfende Labradore davon abhalten sollen, dich abzulecken. Und plötzlich sind MANDO DIAO wie ausgewechselt.
Wir brausen mit der Limo über das schwedische Autobahn-Pendant. Nadelhölzer rauschen vorbei, dazwischen immer wieder entsetzlich klischeehaft: rot aufblitzende Holzhäuser wie aus dem Ikea-Katalog. Zusätzlich wehen darüber lange, dünne Schweden-Fähnchen. Fehlt nur, dass der Fahrer Feierlieder zur Sonnenwende pfeift, abba damit werden wir zum Glück verschont. Wir fahren weiter nordwärts, in Richtung Provinz, nach Borlänge. Diesen Ort kennt eigentlich nur, wer Mando Diao kennt. Weil sie hierher kamen, seien sie in Stockholm zunächst belächelt worden, wussten sie früher zu berichten. Doch die Umgebung, aus der sie damals ausbrachen, besitzt für sie heute wieder eine merkwürdige Faszination. Gemeinsam hocken wir uns ins Restaurant eines der wenigen Hotels am Ort und atmen entspannte Kleinstadtluft, während draußen die Bühnen des jährlichen Love & Peace Festival aufgebaut werden, auf dem Mando Diao an diesem Abend ein stürmisch umjubeltes Heimspiel feiern werden.

"Wir vermissen Zuhause"

Carl-Johan Fogelklou alias CJ: (seufzt, als er den 601er Bus am Fenster vorbeischnaufen sieht) Nichts hat sich verändert

VISIONS: Ihr seid erst kurz vor "Hurricane Bar" nach Stockholm gezogen, nicht wahr?

Gustaf Norén: Ja, aber wir sind immer wieder umgezogen. Björn und ich haben zunächst ein Appartement bewohnt, das sehr zentral lag, aber furchtbar teuer war. Es hätte uns fast ruiniert. Das ganze Geld von "Bring 'Em In" wurde davon aufgefressen. Es ist fast unmöglich, in Stockholm etwas Bezahlbares zur Miete zu finden.

CJ: Björn und ich haben uns dann Appartements gekauft. Er eher zentral gelegen und ich etwas außerhalb. Da, wo es Bäume gibt.

VISIONS: Ist dir das besonders wichtig?

CJ: Auf jeden Fall.

VISIONS: Nun ist "Ode to Ochrasy" ja ein eher melancholisches Album geworden, das ihr auch gerne als Kater nach der Party in der "Hurricane Bar" bezeichnet. Melancholie geht zumeist mit einer gewisse Sehnsucht einher. Ist es das, was ihr vermisst?

Gustaf: Wir vermissen unser Zuhause, wir vermissen diesen Vibe hier. Es ist schon toll, wenn es zum Beispiel so eine Pizzeria gibt, wo sich alle immer treffen und zusammen Fußball gucken. Wir vermissen es einfach, in einer Stadt zu sein und am nächsten Tag eben immer noch, statt ewig umherzuziehen wie verfluchte Seemänner. Wir fühlen uns langsam wie Piraten.

VISIONS: Ist Stockholm denn ein Zuhause?

Gustaf: Nein, auch nicht richtig. Im letzten Jahr waren wir rund 30, 40 Tage dort. Das ist kein Zuhause.

Björn Dixgård: Wir haben eben im Moment kein Zuhause, es gibt nur den Tourbus und etwas Stockholm.

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