So viel mehr als nur Punk sind AGAINST ME!... Tourtiere mit Hang zur Selbstreflexion.
"No Warren Iraq" steht auf einem Poster. Dahinter das Antlitz des monsterbärtigen Schlagzeugers
Warren Oakes. Er sitz im Bus, unterwegs nach Albuquerque/New Mexico. Immer on the road, immer auf
Tour. Dafür leben und sterben Against Me! (immer mit Ausrufezeichen!). "Ich bin erst wieder zur
Weihnachtszeit zurück in Florida", wo momentan alles vom Winde verweht ist. "Meiner Familie und
meinen Freunden ist nichts passiert, und wenn ich zurück bin, ist bestimmt nicht mehr viel vom
Schaden zu sehen." Zunächst hat die Band eh andere Probleme – sie muss ihren Fans das neue Album
"Searching For A Former Clarity" vorstellen. Kein Problem, sollte man meinen, immerhin ist der Mix
aus Bruce Springsteen-Folk, The Clash-Punk und Anti Flag-Politik absolut gelungen. Das Problem ist
aber, dass Against Me! kritische Fans haben. Szenepolizei-Korinthenkacker. "Da haben wir uns dran
gewöhnt. Du kannst es nicht jedem recht machen, und das wollen wir auch gar nicht", spielt Warren
das "Problem" runter. Immerhin beschäftigen sich auf der Platte gleich mehrere Songs mit dem
Fan-Phänomen – eine zynische Auseinandersetzung inbegriffen. Und neben Politik im Allgemeinen und
dem eigenen "Nur-eine-Band-sein" im Speziellen geht es vor allem um Erfahrungen, die man mit
Majorlabel-Vertretern gemacht hat. Auf der DVD "We're Never Going Home" darf man schmunzeln, wenn
sich A&R-Manager die Zähne an der Band ausbeißen. "Diese Leute getroffen zu haben, hat ein wenig von
der Mystik großer Labels zerstört. Plötzlich lernt man den Typen kennen, der Rancid für Warner
gesignt hat, oder jemanden, der als Schreiner angefangen hat. Teilweise völlig bodenständige Leute,
diese Majortypen." Da bleiben Against Me! doch lieber bei Fat Wreck – auch der Szenepolizei zuliebe.