Hau-den-Lukas war gestern, ist vorbei für LACK. Das wollten und konnten die Dänen nicht weitermachen. Für "Be There Pulse" fuhren sie den Gain herunter, erfanden sich neu und landeten im Post-Hardcore.
Was ein glücklicher Umstand ist. Drei Jahre zuvor, nach langem Touren, zuletzt in den USA, war das Hardcore-Quartett am Ende. Sie konnten nicht mehr miteinander, Gräben hatten sich zwischen die Musiker gezogen. Ebenso zwischen die Musiker und ihre Musik: "Wir hatten unsere Songs so oft gespielt, dass wir ihnen keine Energie und Inspiration mehr geben konnten", so Thomas Burø, einst wie jetzt Sänger und Gitarrist bei Lack. Vieles musste sich ändern. Schritt eins: miteinander reden. Schritt zwei: "Unsere Musik analysieren. Wir wussten nicht direkt, was wir wollten. Aber wir wussten sehr genau, was wir nicht mehr wollten." Letzteres wurde getilgt, das Übriggebliebene ließ man reifen. Die Neuerfindung "Be There Pulse" zeigt Lack im selben Line-Up, wenngleich an neuen Ufern, neu erstarkt, ausgeklügelt und variabel. Sie haben Punch, ziehen Komplexität in gutem Maß zu Rate, wagen auch sanfte Zwischenspiele und pflegen zu alldem anstachelnde Vocals. Seine anhaltende Systemkritik verpackt Burø nun in Metaphern, bedient sich etwa an Max Webers Idee vom selbst geschmiedeten Käfig aus Sicherheit und Wohlstand: "Es ist okay, darin zu leben. Aber es ist ebenso verödend, deprimierend und suizidal." Was allerorten fehle, sei Mut. Denn ein freies Ausleben des eigenen kreativen Potenzials "hebt uns aus der Sicherheit des goldenen Käfigs." Aber noch etwas ist neu bei Lack, oder besser kaum mehr vorhanden: harte Gitarren. "Es ist so leicht, damit den Sound aufzufetten, sich auf die pure Power zu verlassen. Das nicht zu tun, hat uns eine Scheißangst bereitet." Man wird merken: Auch hier hat sich der Mut ausgezahlt.