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Hal - Honigpop aus dem Strandhaus

Autor: André Boße aus VISIONS Nr. 148 Storys Archiv
HalLange Zeit keine Gigs spielen, die Leute von der Plattenfirma zum Tee einladen und die Meinung vom Vater im Nebenzimmer schätzen: HAL gehen andere Wege und nähern sich beharrlich dem perfekten Popsong.
Wenn man genau zuhört, kann man ihn hören, den Vater der Allen-Brüder. Im wunderschönen Lied "My Eyes Are Sore", dessen Grundspuren Dave und Paul im kleinen Heimstudio am Killiney Beach südlich von Dublin zwischen Bett und Kleiderschrank aufgenommen haben, klappert rechts hinten der spülende Papa mit dem Geschirr. "Das haben wir erst gemerkt, als der Track schon gemischt war", freut sich Dave über das familiäre Detail. "Dad hat einen Anteil an der Platte. Oft, wenn wir geprobt oder Demos aufgenommen haben, guckte er plötzlich durch die Tür und sagte seine Meinung. Und die haben wir durchaus ernst genommen." Mr. Allen darf das, denn er ist selber vom Fach und war in den Siebzigern ein in Irland recht bekannter Folksänger. Und was er da von seinen zwei Jungs und ihren zwei Freunden Stephen O'Brien und Steve Hogan hörte, wird ihm so schlecht nicht gefallen haben. Zwar sparen sich die Allen Brothers mit ihrer Band Hal jegliche bierselige Heimatpflege, doch sind ihre Lieder so sehr im klassischen Pop der Sechziger und Siebziger verwurzelt, dass alle Eltern der Welt nostalgisch in den Erinnerungen an die Beach Boys, James Taylor oder Harry Nilsson schwelgen. "Wir möchten schon auf die alten Sachen verweisen. Aber eine Nostalgieband sind wir nicht", sagt Dave Allen, Sänger, Gitarrist und hauptverantwortlicher Melodienschmied. Er und sein jüngerer Bruder (Bass, Vocals) haben es sich zu früher Stunde in der oberen Etage des Kölner Cafés Halmakenreuther gemütlich gemacht. Es gefällt ihnen dort, denn der Raum wäre der ideale Schauplatz für einen Blake Edwards-Film gewesen: alles so schön rund und bunt. Die beiden freuen sich, Gott und der Welt von ihrer ersten Platte erzählen zu dürfen. Sogar ein Foto mit jedem Journalisten lassen sie machen, damit die Jungs zu Hause die Geschichten von der ersten Promotour auch glauben. Die Geschichte von Hal (der Name steht nicht nur für den Computer aus dem SciFi-Klassiker "2001"; auch der verehrte Burt Bacharach-Buddy Hal David sowie Hal Blaine, Drummer für Brian Wilson und Phil Spector, hatten ihren Anteil) erzählen sie mit wachen Augen. Alles begann mit Demos, die Dave und Kumpel Steve schon vor sechs Jahren aufgenommen hatten. Paul konnte zu dieser Zeit noch gar kein Instrument spielen, war aber früher Fan der Lieder seines Bruder: "Ich sagte zu ihm: ,Eine Schande, dass es keine Band gibt, die diese Songs spielt.' Er entgegnete: ,Eine Schande, dass wir keinen Bassisten haben.'" Und so kam es, dass Paul schnell Bass lernte. "Ich war schon fleißig, aber es scheint, als wäre unsere Familie musikalisch talentiert."

Das äußert sich nicht ausschließlich in schnellen Lernerfolgen: Der Harmoniegesang ist es, der Songs wie "Keep Love As A Golden Rule" oder die frühe Single "Worry About The Wind" klingen lassen, als habe man sie in sonnengereiften Honig getränkt. "Für uns eine leichte Übung", bestätigt Dave den Verdacht, dass sie auch diese hohe Kunst mit Leichtigkeit hinbekommen. Seltsam eigentlich, dass Hal lange unbehelligt musizieren konnten, bevor jetzt das Debüt erscheint. Erklärbar nur die eine jahrelange Gig-Apathie:"Wir hatten keine Lust, als unbekannte Band von Club zu Club zu ziehen. Wir spielen gerne live, aber wir wollten erst die richtigen Songs zusammenhaben." Problematisch wurde es, als die vom Demo aufgeschreckten Label-Leute die Band plötzlich spielen sehen wollten. Die Lösung fanden sie im Heimspiel. "Wir haben die einfach zu uns nach Hause eingeladen, das Fenster zum Strand geöffnet, Tee gekocht und ihnen die Songs vorgespielt." Frische Seeluft statt verqualmter Clubmief – das passt, denn ein Hal-Song hustet nicht, er atmet durch.