szmtag

Rammstein - Man spricht deutsch

Autor: Ralph Buchbender aus VISIONS Nr. 69 Storys Archiv
Rammstein
In Amerika ticken die Uhren schneller. Brauchten Rammstein für den Durchbruch in Deutschland rund zwei Jahre, so gelang ihnen das gleiche in den Staaten in knapp der Hälfte der Zeit. Show und Spektakel passen eben wie die Faust aufs Auge im Land der Traumfabriken.
Roskilde 1998. Soeben wird der Auftritt der Beastie Boys auf der großen Bühne bejubelt. Nach den Beasties wird es etwas leerer, zum einen, weil es schon fast ein Uhr nachts ist, und zum anderen, weil The Verve ihren Auftritt abgesagt haben. Dafür dürfen Rammstein auf die große Bühne wechseln. Der ‘Deutschland-Sechser’ ist im Moment auf großer Auslands-Erfolgs-Fahrt und kommt mit der Empfehlung einer erfolgreichen Amerika-Regatta auf die großen europäischen Festivals. Rammstein ist im dänischen Roskilde aber scheinbar immer noch ausschließlich Sache der deutschen Fans - im Radius von fünfzig Metern um mich herum höre ich fast nur deutschsprachige Jubelrufe, als um kurz nach halb zwei Sänger Till Lindemann wie gewohnt mit einem Flammenwerfer bewaffnet die Show mit „Rammstein" eröffnet. Was aber nichts heißen muß, denn angeblich lernt das Ausland seit Rammstein auf einmal deutsche Texte auswendig. Diese und andere Erkenntnisse vermittelte mir anderthalb Stunden vorher Gitarrist Richard Z. Kruspe im roten Doppeldecker-Bus der Plattenfirma. Gut, daß es nicht Flake war, denn der hatte es beim Rock am Ring-Festival gewagt, sich in meinem Beisein über Ozzy Osbourne lustig zu machen, was einer Majestätsbeleidigung gleichkommt. Eine Folge des schwelenden Knatschs zwischen Ozzy und Rammstein, die es gewagt hatten, als Co-Headliner eine größere Bühnenshow aufzufahren als der Meister hinself.
Zwischen euch und Ozzy soll es beim Rock im Park-Festival Querelen gegeben haben, die sich auch noch bis zu Rock am Ring hinzogen. Was ist konkret passiert?

„Die Amis glauben immer, wer zuletzt spielt ist der absolute Headliner, und alle, die davor spielen, sind so etwas wie eine Vorband. Aber vom Veranstalter waren wir als erster von zwei Top-Acts angedacht. Das hatte man Ozzy wohl so nicht mitgeteilt, deshalb war er etwas sauer, als er mitbekam, daß unsere Bühnenproduktion wesentlich größer war als seine. Aber der meiste Streß ging gar nicht von Ozzy aus, sondern von seiner Frau Sharon. Da ist das dumme Ding passiert, daß unsere Crew beim Abbau einen Draht von der Pyro-Show übersehen hatte. Das Teil kam jedenfalls während der Ozzy-Show runter, und die haben uns dann vorgeworfen, wir hätten es absichtlich gemacht. Ich stand mit Till am Bühnenrand und auf einmal kam Ozzys Frau auf uns zu und hat uns tierisch angebrüllt - so hat sich nicht einmal früher meine Mutter aufgeregt. Die dachte tatsächlich, wir wollten Ozzys Show boykottieren, was natürlich nicht stimmte, denn ich fand den Auftritt wirklich gut. Ich habe schon lange nicht mehr einen so guten Gitarristen gesehen wie den von Ozzys Band. Black Sabbath haben mir auch immer gerade vom Songwriting her gut gefallen, sie sind eine der amerikanischen Bands, die mich von Jugend an geprägt haben."

1 - 2 - 3 - 4 - 5 | weiter » | Seite 1 von 5