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Sparklehorse - Der Einsiedler

Autor: Tino Hanekamp aus VISIONS Nr. 103 Storys Archiv
Sparklehorse
„It’s A Wonderful World", das dritte Album von SPARKLEHORSE, ist schon jetzt eines der schönsten des Jahres. Zu danken haben wir Mark Linkous, dem Mann hinter der Band. Wie er lebt, wie er fast starb, warum er durchhält - hier.

„Das Geniale in der Natur eines Menschen ist oft Ausdruck tiefer Verzweiflung." (Leonard Cohen)

Viele große Künstler sind am Leben gescheitert. Mozart starb arm und verzweifelt. Hemingway und Cobain endeten mit Schrot im Kopf, Morrison und Hendrix im Drogensumpf. Es ist sicher vermessen und viel zu früh, um Mark Linkous, den Mann hinter Sparklehorse, in die Riege der grandios gescheiterten Existenzen einzureihen. Doch schon jetzt ist der große schlaksige Mann aus Virginia auf dem besten Weg in den Olymp der erhabenen Künstler, deren Schaffen ein einziger Kampf ums Überleben war. „It’s A Wonderful Life" heißt sein neues, drittes Album und ist eine Art vertonte Sehnsucht nach eben jenem wundervollen Leben. Melodien von großer Reinheit und bodenloser Traurigkeit leuchten zwischen kratzigen Gitarren und merkwürdigen Lauten. Wie einer, der seine wenige, ihm noch verbliebene Kraft zusammen nimmt, haucht und flüstert Linkous seine Worte, während drum herum schüchterne Rhythmen, gebrochene Verse und Geräusche leben, scheinbar hervorkriechen aus den staubigen dunklen Ecken einer fremdartigen Welt - der Welt des Mark Linkous. Diese Welt ist vor allem eines: ruhig. Linkous lebt seit Jahren auf einer Farm in Bremo Bluff, im Westen der USA, im südlichen Zipfel des Staates Virginia, im heißen, staubigen Cowboy-Land. Er fährt 20 Kilometer, um Zigaretten zu kaufen, seine nächsten Nachbarn sind so nah, dass er tagelang laut schreien könnte, und niemand ihn hören würde. In den sechziger Jahren wird er geboren, hinein in die dritte Generation einer Bergwerksfamilie. Sein Großvater holt Kohle aus stickigen Minen, sein Vater und seine Onkel auch, und selbst Mark kriecht eine zeitlang durch den schwarzen Staub. Hier, im erzkonservativen Westen, ist er ein Freak. Er hört Alice Cooper und die Sex Pistols, als seine Mitschüler Lynyrd Skynard für revolutionär halten. Er zieht nach Los Angeles, um Musik zu machen, als andere beginnen, ihre Häuser abzuzahlen. Doch in LA will ihn niemand hören und so kehrt Linkous zurück und ist wie Millionen andere gefangen in einem Dasein, das nicht das seine ist: „Die meiste Zeit in meinem Leben war ich Tagelöhner. Ich habe Geschirr gewaschen und Häuser gestrichen. Nach einer Weile hat mich das verrückt gemacht." Wahrscheinlich wäre Mark Linkous längst tot, hätten ihm nicht irgendwann die Menschen zugehört. 1995 erscheint „Vivadixiesubmarinetransmissionplot", das Debüt seiner Band Sparklehorse, in der neben ihm wechselnde Musiker wirken. Musik und Texte stammen jedoch fast ausschließlich von Linkous. „Vivadixie..." ist schrägster Lo-Fi-Rock, kratzig und knarzig mit großen Momenten in kruden Klangkosmen. 1996 spielen Sparklehorse vor Radiohead auf deren Europatournee. „Das war sehr schön, aber ein Spiel mit dem Feuer. Wir waren niemand, nur eine kleine komische Band. Radiohead waren schon damals so groß und majestätisch, und plötzlich spielten wir vor ihnen in Stadien", murmelt Linkous und lacht leise. Beinahe stirbt er auf dieser Tour. Er schluckt gleichzeitig Antidepressiva, Valium und Alkohol, fällt im Bad seines Londoner Hotelzimmers in Ohnmacht, liegt verdreht auf dem Boden, die Unterschenkel klemmen unter seinem Körper - 14 Stunden lang. Als man ihn findet und seine Beine streckt, knallen das angestaute Blut und das Gift in sein Herz, Linkous hat einen Schlaganfall. Die Nerven in seinen Beinen sind kaputt, er kann nicht mehr laufen. Drei Monate liegt er im Krankenhaus, danach sitzt er ein Jahr im Rollstuhl. Für den Rest seines Lebens wird er Stützen an den Fußgelenken tragen. „Ich glaube, das einzig Gute an all dem war, dass mir plötzlich jeder Brie

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