Alice In Chains - Seattle’s Living Dead
Autor: Claudia Nitsche
aus VISIONS Nr. 49
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Alice In Chains sind die Living Dead in der Seattle-Szene. Ihre Trennung war schon schwarz auf weiß zu lesen, der Tod von Bandmitgliedern wurde schon von den Postillionen der Gossip-Branche verkündet. Doch Gitarrist und Songschreiber Jerry Cantrell und Drummer Sean Kinney sitzen sehr lebendig in einem Zimmer mit Aussicht und versuchen, eine bequeme Position in den harten Sitzmöbeln des Royal Garden Hotel zu finden. Aber das muß noch lange kein gutes Zeichen sein.
Sie lassen sich nicht drängen, auf Tour zu gehen, die Regeln des Business zu befolgen. "Das haben wir sieben Jahre lang gemacht. Dieses Formelle: Platte, Interviews, Video, Tour. Das machen wir seit drei Jahren nicht mehr. Wir haben das nicht mehr nötig, damit die Band beachtet wird", sagt Sean Kinney. "Wir waren doch sehr aktiv in letzter Zeit", findet Jerry Cantrell. "Wir haben zwei Platten in einem Jahr rausgebracht. Ist das nichts?"
Nach fast dreijähriger Bühnenabstinenz enterten sie jetzt mal eben die Bühne der ‘Brooklyn Academy Of Music’, um sich in den Künstlerpulk einzureihen, der bei MTV seine Songs ‘Unplugged’ spielt. Natürlich kamen MTV, die mittlerweile seit sechs Jahren ‘Unplugged’-Shows bringen, nicht erst ´96 auf die Idee, bei AIC anzuklopfen. Aber die erste Anfrage lehnten sie ab. "Jetzt haben wir es gemacht, weil wir genug akustisches Material haben", sagt Jerry in Hinblick auf die kompatiblen EPs "SAP" und "Jar Of Flies" sowie ihren Output von ruhigeren Songs wie "Heaven Beside You" und "Over Now" vom ‘95er Album "Alice In Chains".
Es war aber auch kein Problem, ihre schnelleren Stücke auf ‘Unplugged’-Niveau zu bringen, verkündet Jerry, der für diesen Auftritt überhaupt erst das zweite Mal mit der akustischen Gitarre einen Gig bestritt. "Wir haben unsere Songs durchprobiert und uns nur darauf konzentriert, was gut klingt. Das war nicht viel Arbeit, zusammengerechnet vielleicht eine Woche. Wir brauchen nur immer lang, bis wir in die Pötte kommen. Scotty Ollson, ein Freund von uns aus Seattle, der sonst in einer Blues-Band spielt, hat den zweiten Gitarrenpart übernommen."
Außer "The Killer Is Me" ist auf "Alice In Chains Unplugged" nur altes Material zu hören. Da auf der VHS-Cassette, die den Show-Mitschnitt zeigt, das neue Stück noch nicht mal drauf ist, bietet sich natürlich an, zu fragen, ob der Song denn der erste eines neuen Studio-Albums sein wird, ob nicht schon etwas im Kopf fertig ist, wenigstens eine kleine EP oder so? Jerry lacht, weiß genau, was gefragt war, und grient. "Es ist der neue Song von diesem Album. Wir haben doch gerade erst eine Platte herausgebracht. Was glaubst du, wie lange wir an einem Album arbeiten? Eine Woche?" Es ist wohl der falsche Moment, ihn daran zu erinnern, daß sie "Jar Of Flies" auch in nur einer Woche aufgenommen haben, nachdem sie von Lollapalooza zurück kamen. Da war noch richtig Spaß an der Sache der Grund, ins Studio zu gehen. Obwohl sie ja nur "ein bißchen Spaß" haben und dem damals neuen Basser Mike Inez den Einstieg erleichtern wollten, schafften sie, was vorher noch keiner schaffte, und enterten die Billboard-Album-Charts Anfang ´94 mit einer EP.
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