Ghost Of Tom Joad - Ein Mal durch die Republik bitte
Henrik hat sich mittlerweile von seiner Erkältung erholt, die Reise geht also weiter. Mehr erfahrt ihr in Kürze hier.
17 Konzerte ohne einen Tag frei, das ist die Matterhorn Tour von Ghost of Tom Joad. Amerikaner lachen ja über so etwas, die brauchen ja alleine für Seattle – New York zwei Wochen. Ich als Reisemuffel, Langschläfer und Heimweh geplagter Hase muss mich da aber erst noch dran gewöhnen. Doch Hallo Spencer hat's vorgemacht und wir machen's nach: "Hallo Freunde von Norden nach Süden, von Westen nach Osten". Ein Mal durch die Republik bitte.
Münster hat uns einen fantastischen Tourstart beschert. Zu Hause spielen ist ja immer irgendwie komisch. So ähnlich wie Weihnachten Oma und Tante auf der Blockflöte etwas vorspielen. Wenn man losfährt auf eine Tour rechnet man ja nicht damit, dass da draußen Menschen sind, die heute Abend unbedingt Ghost Of Tom Joad sehen müssen. Wir wurden eines besseren belehrt. Fremde Girls und Boys singen unsere Lieder. Fantastisch. Jede Stadt ein kleines Highlight: In Dortmund ein Jugendzentrum zu Grabe getragen, in Schweinfurt etwas über Lokalpatriotismus gelernt, uns in Bielefeld als Jazzband ausgegeben und in Hamburg astreines Amateur-Spitzenspiel St.Pauli Hools vs. Hamburger Polizei gemacht.
Dann natürlich immer wieder das Gleiche. Im Bus sitzen und fahren, fahren, fahren, fahren bis einem die Autobahn aus den Ohren rauskommt. Das Beste ist allerdings, dass wir unseren Techniker Freedoel Weizendusch mit dabei haben. Der hat immer eine fantastische Geschichte auf Lager. Vom "Hamburg Handshake" bis zur "Tour mit Boo-Ya Tribe". Was der alles kennt ist der Wahnsinn und eine wahre Wonne.
In Dresden hat sich Christophs Schnurrbart ekstatisch gezwirbelt (wie bei Samson von "Chip & Chap?" wenn er den Käseflash bekommt). Grund dafür ist eine lokale Spirituosen Spezialität. Seit wir mit Jupiter Jones vor zwei Jahren den Osten zum ersten Mal betourt haben, ist er Fan von einem Schnaps den er nur liebevoll "Pfeffi" nennt. Grün wie Mundwasser und minzig wie die Milch vom After Eight Tier. Jetzt hat er seinen Pfeffi. Die Flasche steht noch unangetastet in der Fahrertür des Busses. Scheinbar spart er sich den für zu hause auf und trinkt ihn da heimlich unterm Küchentisch ganz alleine auf.
"Zehn Stunden rumhängen und dann eine Stunde Vollgas geben." So würden das auch Udo Jürgens oder James Last sagen. Aber die beiden haben nicht ganz unrecht. Egal wie viel Quatsch man am Tag macht und wie blöde das manchmal alles ist. Die eine Stunde auf der Bühne, während der man seine Songs spielen kann, Schnurrbart-Witze macht und traurige Geschichten aus der Pubertät erzählen kann, sind das alles wert. In der Schule war man der Klassenclown nicht weil man Aufmerksamkeit wollte, sondern damit die anderen endlich alle ihre Klappen halten. Das man selber dabei reden muss, ist ein Übel welches man leider dabei in Kauf nehmen muss. Es gibt nichts schöneres als 150 schweigende Leute. Deswegen ist es das Beste am ganzen Abend wenn wir "Kap Farvel" von unserem neuen Album spielen. Klavier, Stimme sowie eine Gitarre mit ganz viel Hall und Zack ist Berlin, Hamburg, Weinheim, Bielefeld, Dresden ruhig.
Seit Bremen habe ich ein Kratzen im Hals. Drei Tage später hat sich dieses Kratzen in meinem ganzen Kopf breit gemacht und ist zum Schnodder und Heiserkeit produzierenden Monster mutiert. Ein HNO-Arzt in Regensburg und meine kaputte Stimme beenden nun am 11. März die Matterhorn Tour vorzeitig. So ein Shit! Wir haben noch nie ein Konzert abgesagt doch so geht es auf keinen Fall weiter.
Gerade habe ich zwischen dreckigen Unterhosen und Socken einen Plüsch Spongebob gefunden den mir Timo von Trip Fontaine scheinbar in meine Tasche geschmuggelt hat. Was für fantastische Menschen doch da draußen sind.
- Mehr zu Ghost Of Tom Joad
Im Zuge ihrer großen "Matterhorn"-Tour reisen Ghost Of Tom Joad momentan durch unsere Lande. Für visions.de berichtet Sänger Henrik Roger von den Erlebnissen rund um die zahlreichen Konzerte.





